Superfood: Hype um Früchte und Samen

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Açaí, Chia, Goji, Maqui oder Moringa. - Was steckt genau hinter den exotischen Früchten und Samen?

Das Wichtigste in Kürze:
Wirkung nicht bewiesen!

  • Superfoods zeichnen sich meist durch einen hohen Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen aus. Ein gesundheitlicher Mehrwert im Vergleich mit der Vielzahl heimischer Gemüse und Früchte ist nicht gegeben.
  • Häufig sind Superfoods mit Schadstoffen belastet und im Vergleich zu heimischen Gemüse und Früchten sehr teuer.
  • "Exotische" Lebensmittel bergen immer ein gewisses Risiko Überempfindlichkeitsreaktionen bzw. Allergien auszulösen, auch Wechselwirkungen mit Medikamenten sind möglich.
  • Bei "Superfoods" in Kapselform ist Vorsicht geboten. Durch die Aufkonzentrierung bestimmter reizender oder toxischer Stoffe kann es zu gesundheitlichen Problemen kommen.
Superfood: Früchte und Samen
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Was steckt hinter der Werbung zu Superfoods?

Superfoods werden allerlei gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben. Meist sollen sie verschiedenen Krankheiten vorbeugen und zudem satt und schlank machen. Besonders herausgestellt wird ihr antioxidatives Potential.

Für diese gesundheitsfördernden Eigenschaften fehlen weitgehend wissenschaftliche Nachweise. Die meisten Aussagen zu Superfoods stammen von gewerblichen Anbietern, einzelnen Beratern oder Interessengruppen. Dabei überwiegen Anekdoten und Erfahrungsberichte. Scharlatanerie ist weit verbreitet. Gesicherte Daten zu Enzym-Gehalten oder den Mengen einzelner sekundärer Pflanzenstoffe fehlen in der Regel.

Auch bei Superfood-haltigen Nahrungs­ergänzungsmitteln ist der ausgelobte Gesundheits­nutzen meist nicht wissenschaftlich nachgewiesen und die genaue Zusammensetzung oft nicht bekannt. Die in den Produkten hervorgehobenen Vitamine und Mineralstoffe sind oft künstlich hinzugefügt.

Das Chemische und Veterinär­untersuchungsamt Stuttgart konnte bei Untersuchungen im Jahr 2017 zeigen, dass 90 % der überprüften Proben Mängel in der Kennzeichnung aufwiesen. In den meisten Fällen handelte es sich dabei um fehlende Mengenangaben zu beworbenen Nährstoffen oder um die Verwendung unzulässiger nährwert- und gesundheitsbezogener Angaben.

Superfoods können ‒ sofern sie nicht gerade in Kapselform verzehrt werden ‒ den Speiseplan durchaus bereichern und ganz neue Geschmacks­erlebnisse vermitteln. Ein gesundheitlicher Mehrwert im Vergleich mit der Vielzahl heimischer Gemüse und Früchte ist aber nicht zu erwarten.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Superfoods achten?

Gegen Superfoods in Form von Früchten und Samen frisch, getrocknet oder als Püree ist ernährungsphysiologisch gesehen nichts einzuwenden. Allerdings bergen exotische Lebensmittel (egal ob pur oder als Extrakt) immer ein gewisses Risiko Überempfindlichkeits­reaktionen bzw. Allergien auszulösen.

Zudem sind Wechselwirkungen von Superfood mit Arzneimitteln möglich. So sollte, ähnlich wie bei der Grapefruit, auch zwischen dem Verzehr von Granatapfelprodukten  und der Einnahme von Arzneien ein zeitlicher Mindestabstand eingehalten werden, um veränderte Wirkungen auszuschließen. Gojibeeren sind selbst in Form von Konfitüre gefährlich für Personen, die bestimmte die Gerinnung hemmende Arzneimittel einnehmen.

Vor allem bei Anreicherungen ist Vorsicht geboten. Für Extrakte und Zubereitungen im Lebensmittelbereich gibt es keine Standardisierungen wie bei Arzneimitteln. Mangostane-Extrakt A und Mangostane-Extrakt B sind also nicht mit einander vergleichbar. Und was als Lebensmittel in normalen Mengen kein Problem ist (etwa Zimt), kann durch die Aufkonzentrierung bestimmter reizender oder toxischer Stoffe (Zimtaldehyd, Cumarin) gesundheitlich problematisch werden. Dazu hat das Bundesinstitut für Risikobewertung schon vereinzelt Untersuchungen und Einschätzungen des Risikos vorgelegt.

Bei der Entscheidung für ein Superfood sollte man neben Aspekten der Gesundheit unbedingt auch den Einfluss von Superfood auf die Umwelt und Gesellschaft in den Anbauregionen bedenken.

Was sind Superfoods?

Superfoods sind schon seit einiger Zeit auf dem Markt. Dennoch gibt es bisher keine offizielle Definition oder gesetzliche Regelung. Als "Superfoods" werden meist natürliche und exotische Lebensmittel mit größeren Mengen an Vitaminen und/oder Mineralstoffen sowie sekundären Pflanzenstoffen angeboten. Sie werden selten frisch, sondern meist getrocknet, als Püree oder Extrakt angeboten. Auch als Anreicherung in funktionellen Lebensmitteln (etwa Brötchen mit Chiasamen) oder in Kapsel- und Pulverform als Nahrungsergänzungsmittel sind sie auf dem Markt. Superfoods finden des weiteren Einsatz als Zutat für besonders "gesunde" Rezepte (zum Beispiel Müslis, Smoothies, Riegel).

Wer Superfoods ausprobieren möchte, sollte sich vorab vergewissern, ob es beim angepriesenen Produkt um die "echten" Früchte bzw. Samen geht, oder ob es sich lediglich um eine (meist nur in Kleinstmengen vorhandene) Zutat in einem Lebensmittel handelt. Oft waren zahlreiche Verarbeitungsschritte nötig, um das Superfood genießbar zu machen, etwa Extraktion, Trocknung, Zugabe von reichlich Zucker oder Aromen.

Welche Inhaltsstoffe sind in Superfoods enthalten?

Meist sind Superfoods pflanzliche Lebensmittel, die von Natur aus hohe Gehalte an einzelnen Mikronährstoffen, Enzymen und sekundären Pflanzenstoffen aufweisen. Die frischen Super-Beeren, -Körner oder -Blätter sind anfänglich meist reich an wertvollen Inhaltsstoffen, doch der Transportweg von den Anbaugebieten in exotischen Ländern bis in den deutschen Supermarkt ist lang. Die Produkte werden oft zu früh geerntet, teilweise stark verarbeitet oder liegen wochenlang in Schiffscontainern. Es ist daher fraglich, wie viel von den beworbenen Inhaltsstoffen tatsächlich noch beim Verbraucher ankommt.

Eine ausgewogene Nährstoffaufnahme lässt sich durch eine pflanzenbetonte vielfältige Ernährung sicherstellen. Es reicht nicht aus, sich in der Ernährung auf einige wenige Superfoods zu konzentrieren.

Können Superfoods mit Schadstoffen belastet sein?

Es kommt immer wieder vor, dass als Superfood verkaufte Beeren, Samen, Algen oder getrocknete Pflanzen mit Pestiziden, Schwermetallen (z.B. Arsen, Cadmium), mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), Mineralöl oder krankmachenden Bakterien belastet sind.

Das Chemische und Veterinär­untersuchungsamt Stuttgart kommt in ihrem aktuellen Bericht zu dem Fazit, dass in der Gesamtschau eine deutliche Verbesserung der Rückstandssituation zu verzeichnen ist, die Situation aber noch nicht zufriedenstellend ist. Nach wie vor gibt es Produkte, die als gesundheitsschädlich und als nicht sichere Lebensmittel eingestuft wurden.

Anstelle der Acai-Beere können heimische dunkle Beeren (Brom-, Holunder- Heidel- und Apfelbeere (Aronia) sowie Kirsche, rote Weintraube und Rotkohl gegessen werden, die ebenfalls mit hohen Gehalten an antioxidativ wirkenden Stoffen punkten. Leinsamen anstelle von Chia enthalten ebenfalls Omega-3-Fettsäuren und Ballaststoffe.

Besonders reich an sekundären Pflanzenstoffen sind auch Zwiebelgewächse (Zwiebel, Porree, Schnittlauch, Knoblauch), alle Kohlarten, Rettiche, Hülsenfrüchte und Zitrusfrüchte, native Pflanzenöle, Kerne und Nüsse, aber auch Kartoffeln und (Vollkorn-)Getreide. Das meiste davon gibt es aus heimischem Anbau.

 

Quellen:


CVUA. „Superfood“ – hält nicht, was der Name verspricht. Untersuchungsergebnisse 2017. Abgerufen 09.09.2019

Untersuchungsämter für Lebensmittelüberwachung und Tiergesundheit Baden Württemberg. Moringablattpulver - weiterhin mit Rückständen und unlauterer Bewerbung. Noch immer nicht super: das "Superfood" Moringa. abgerufen am 09.09.2019

Gesundheitliches Risiko von Shiitake-Pilzen. Stellungnahme des BfR vom 23.06.14

García Jiménez S, Pastor Vargas C, de las Heras M, et al. (2015) Allergen Characterization of Chia Seeds (Salvia hispanica), a New Allergenic Food. J Investig Allergol Clin Immunol 25(1): 55-82

Larramendi CH, García-Abujeta JL, Vicario S, García-Endrino A, et al. (2012) Goji berries (Lycium barbarum): risk of allergic reactions in individuals with food allergy. J Investig Allergol Clin Immunol. 22(5):345-50

Smollich M, Podlogar J. Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln und Lebensmitteln. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart. 1. Auflage, 2016

Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (2000). Gehalte an Cumarin, Safrol, Methyleugenol und Estragol in Lebensmitteln. Angerufen am 09.09.2019

Ökotest (2016) Test Superfoods - Supertox. Ökotest 4, 29-36

Greenpeace (2013) Giftige Pestizidcocktails in traditionellen chinesischen Kräutern. Abgerufen am 09.09.2019

CVUA Stuttgart: Nachgefasst: Pestizide in Gojibeeren. Abgerifen am 09.09.2019