Ungewollte Werbeanrufe: Hilfe gegen Telefonwerbung

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Gewinnspiele, Geschäftseröffnungen, Kataloge, Kabelanschlüsse: Auf Ihr Telefon prasseln zahllose Werbeangebote ein? Das müssen Sie sich nicht gefallen lassen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Für ungebetene Anrufe ohne Ihr Einverständnis drohen Firmen empfindliche Geldstrafen.
  • Sie müssen sich unerlaubte Werbeanrufe nicht bieten lassen. Melden Sie unzulässiges Telefonmarketing der zuständigen Behörde.
  • Am Telefon abgeschlossene Verträge sind auch ohne schriftliche Bestätigung gültig. Sie können telefonisch geschlossene Verträge aber in der Regel 14 Tage lang widerrufen.
Eine verärgerte Frau telefoniert
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Sie wollen Ihnen am Telefon Geldanlagen, Versicherungen, Haushaltsgeräte oder Zeitungsabonnement aufschwatzen - ungebetene Werbeanrufer. Doch Telefonwerbung, der Sie nicht zugestimmt haben, müssen Sie nicht einfach hinnehmen. In Deutschland gelten mit dem „Gesetz zur Bekämpfung unerlaubter Telefonwerbung“ sowie dem „Anti-Abzocke-Gesetz“ strenge Regeln für Telefonmarketing.

Werbeanrufe ohne Einverständnis sind unzulässig

Dennoch reißt der Strom unerwünschter Anrufe unseriöser Firmen nicht ab. Zunehmend segeln zwielichtige Firmen auch unter falscher Flagge. Sie geben sich etwa als "Verbraucherzentrale" oder "Verbraucherschutzservice" aus – in der Hoffnung, den guten Ruf der Verbraucherzentralen für ihre Abzocke nutzen zu können.

Wie Sie gegen lästige Werbeanrufe vorgehen können, hängt davon ab, ob Sie den Anrufen zugestimmt haben oder nicht:

Werbeanrufe ohne Einverständnis

Ganz gleich, ob es um ein Gewinnspiel geht, um vermeintliche Geschenke oder Sie etwas kaufen sollen: Telefonwerbung ist verboten, wenn Sie nicht vorher ausdrücklich zugestimmt haben. Ruft ein Ihnen unbekanntes Unternehmen ohne Ihr Einverständnis zu Werbezwecken an, ist der Telefonanruf unzulässig – den Anrufern drohen erhebliche Bußgelder.

Dabei gilt: 

  • Es ist egal, ob Sie einen Menschen am Apparat haben oder eine Bandansage hören ("automatische Anrufmaschine").
  • Der Werber darf seine Rufnummer nicht unterdrücken - das ist eine zusätzliche Ordnungswidrigkeit.
  • Fragt der Anrufer zu Beginn des Gesprächs nach einer Erlaubnis, reicht das nicht aus! Sie müssen Werbeanrufe im Vorhinein genehmigt haben – zum Beispiel bei dem Vertragsabschluss. Viele Firmen lassen sich deswegen bereits bei Bestellungen oder anderen Verträgen, die Sie mit Ihnen abschließen, das Recht für Werbeanrufe einräumen.
Werbeanrufe mit Einverständnis

Möchte eine Firma zu Verkaufszwecken telefonisch Kontakt zu Ihnen aufnehmen, ist dies nur erlaubt, wenn Sie sich hiermit vorher ausdrücklich einverstanden erklärt haben.

Grundsätzlich kann eine solche Einwilligung auch durch Ankreuzen einer vom Unternehmen vorformulierten Erklärung erteilt werden. Allerdings muss diese Erklärung dann deutlich als solche erkennbar sein.

Im Rahmen Allgemeiner Geschäftsbedingungen muss sie in einem gesonderten Textabschnitt ohne anderen Inhalt enthalten sein. Hierauf hat der Bundesgerichtshof mit Urteil vom 25.10.2012 -Az.: I ZR 169/10 nochmals ausdrücklich hingewiesen. Zusätzlich muss die Erklärung sehr konkret gefasst sein. Das heißt, der Kreis der werbenden Unternehmen muss darin abschließend festgelegt und auch die Produkte, für die geworben werden soll, müssen genannt werden. Nur dann ist eine solche Erklärung wirksam und führt dazu, dass Unternehmen Sie zu Werbezwecken anrufen können. 

Achtung: Viele Unternehmen verstecken jedoch nach wie vor derartige Einwilligungserklärungen in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen und berufen sich anschließend auf diese Klauseln. Lesen Sie deshalb auch das Kleingedruckte und streichen Sie die entsprechenden Passagen, wenn Sie Werbeanrufe ausschließen wollen.

„Nachfasswerbung“: Anrufe nach Abo-Kündigung

Sie haben ein bestehendes Zeitschrift-Abonnement gekündigt und erhalten nun Anrufe vom Verlag? Zunächst werden Sie vermutlich gefragt, ob Sie mit der Zeitung unzufrieden waren oder ob die Zustellung nicht reibungslos geklappt habe. Anschließend wird dann aber häufig der eigentliche Zweck des Telefonats angesprochen: Werbung für ein neues Zeitschriftenabonnement. Eventuell wird Ihnen sogar hierfür ein Geschenk oder ein Preisnachlass versprochen.

Eine solche sogenannte Nachfasswerbung per Telefon bei gekündigten Verträgen ist jedoch unzulässig! Sie wäre ausnahmsweise nur dann erlaubt, wenn das Telefonat ausschließlich der Kontrolle des eigenen Vertriebes dienen würde. In der Praxis kommt dies tatsächlich jedoch fast nie vor.

Umfrage zu Werbeanrufen

Mehr als die Hälfte der Verbraucher wurde mindestens ein Mal unaufgefordert zu Werbezwecken, zum Beispiel per Telefon, kontaktiert. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Marktwächters Digitale Welt der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, die auffällige Vertriebsstrategien von Anbietern unter die Lupe genommen hat.

Aus der Umfrage ergibt sich auch: Unaufgeforderte Werbeanrufe und Besuche von Unternehmensvertretern an der Haustür sind für die meisten Verbraucher eher unerwünscht und belästigend.

Unerwünschte Werbeanrufe – das können Sie tun!

Unerwünschte Werbeanrufe kann man nicht mit absoluter Sicherheit verhindern. Schon wer in einem öffentlichen Verzeichnis registriert ist (zum Beispiel im Telefonbuch), muss mit Telefonmarketing rechnen. Bei der weitaus größten Zahl der Werbeanrufe behauptet das Unternehmen aber, der Kunde habe seine Einwilligung gegeben.

Haben Sie den Werbeanrufen nachweislich nicht zugestimmt, können Sie selbst gegen das ungebetene Telefonmarketing vorgehen.

4 Tipps gegen Telefonwerbung ohne Zustimmung:

  1. Geben Sie Ihre Telefonnummer generell nur dann an Unternehmen, wenn es für die Vertragsabwicklung zwingend nötig ist.
  2. Achten Sie bei jedem Vertragsabschluss auf Klauseln, die die Speicherung und Nutzung Ihrer Daten zu Werbezwecken erlauben sollen - und streichen Sie diese! Solche Klauseln sind meistens mit "Datenschutz" oder "Datenverarbeitung" überschrieben und müssen klar vom anderen Text zu unterscheiden sein. Sie können zum Beispiel durch einen Rahmen oder Fettdruck besonders hervorgehoben sein.
  3. Gewinnspiele dienen vorwiegend der Datensammlung. Geben Sie bei der Teilnahme an Gewinnspielen daher wenn möglich nicht Ihre Telefonnummer an. Oder, wenn es sich um eine Pflichtangabe handelt, widersprechen Sie der Nutzung Ihrer sämtlichen Daten zu Werbezwecken. Hierzu können Sie unseren Musterbrief als Formulierungshilfe nutzen.
  4. Die Bundesnetzagentur kann Rufnummern abschalten und gegen Betreiber empfindliche Bußgelder verhängen (aktuell bis zu 300.000 Euro, 2019 hat die Behörde gegen einen Telekommunikationsanbieter wegen Telefonwerbung ein Bußgeld von 100.000 Euro verhängt). Dafür ist die Behörde aber auf Ihre Hinweise angewiesen. 
    Melden Sie der Bundesnetzagentur deswegen ungewollte Werbeanrufe ohne Einverständnis. Das können Sie direkt hier über das Online-Formular der Bundesnetzagentur tun. Alternativ können Sie der Bundesnetzagentur auch eine E-Mail an rufnummernmissbrauch@bnetza.de schreiben.
    Dabei gilt: Je mehr Informationen Sie über den Werbeanruf geben können, desto leichter fällt es der Bundesnetzagentur, den Fall zu prüfen. Notieren Sie sich daher gleich nach dem Werbeanruf die Uhrzeit, die Telefonnummer sowie was beim Telefonat beworben wird.

Am Telefon abgeschlossene Verträge

Verträge, die Sie am Telefon abschließen, sind auch ohne schriftliche Bestätigung gültig. 

Die einzigen Ausnahmen sind:

  • Verträge über die Teilnahme an Gewinnspielen
  • Verträge mit Lotterien


Aber: Sie können telefonisch geschlossene Verträge in der Regel widerrufen . Sie sind dann nicht mehr an den Vertrag gebunden. Die Widerrufsfrist beträgt mindestens 14 Tage. Diese Frist beginnt erst, wenn Sie die Ware erhalten haben und der Unternehmer Sie über das Widerrufsrecht informiert hat.

Wurden Sie nicht über das Widerrufsrecht informiert, so erlischt das Widerrufsrecht spätestens nach 12 Monaten und 14 Tagen. In Zweifelsfällen können Sie Ihren Vertrag in einer Beratungsstelle der Verbraucherzentrale prüfen lassen. 

Ihr Widerrufsrecht bei Dienstleistern

Das Widerrufsrecht erlischt bei einer Dienstleistung, wenn der Unternehmer die Leistung vollständig erbracht hat und mit der Vertragsausführung erst begonnen hat, nachdem der Verbraucher dazu seine ausdrückliche Zustimmung gegeben hat. Außerdem erlischt das Widerrufsrecht nur, wenn der Verbraucher gleichzeitig seine Kenntnis davon bestätigt hat, dass er sein Widerrufsrecht bei vollständiger Vertragserfüllung durch den Unternehmer verliert. Bei einigen Verträgen besteht kein Widerrufsrecht – so zum Beispiel bei Verträgen über Beförderungsleistungen.

Den Widerruf müssen Sie gegenüber Ihrem Vertragspartner erklären. Hierzu können Sie ein Muster-Widerrufsformular verwenden, das Ihnen der Anbieter zur Verfügung stellen muss. Es reicht nicht aus, die Ware einfach zurückzusenden. Eine Begründung müssen Sie nicht mitliefern. Da Sie die Absendung des Widerrufs im Streitfall beweisen müssen, ist es ratsam, den Widerruf per Einschreiben (etwa per Einwurf-Einschreiben) zu verschicken.

Brauchen Sie individuelle Hilfe?

Zu weiteren individuellen Fragen rund um das Thema Widerrufsrecht bietet die Verbraucherzentrale eine Rechtsberatung an.

Weitere Informationen zum generellen Widerruf von Verträgen sowie zu Ihrem Widerrufsrecht bei im Internet oder per Telefon abgeschlossen Kaufverträgen, haben wir in eigenen Beiträgen ausführlich für Sie zusammengefasst.

Zum Thema "Ungewollte Wechsel auf dem Strom- und Gasmarkt" stellen Ihnen die Marktwächter aus dem Energieprojekt eine umfangreiche Untersuchung zur Verfügung.