Streik bei der Airline: Was tun als Passagier?

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Im Falle eines Streiks von Piloten und/oder des Kabinenpersonals haben betroffene Passagiere bei einer Flugannullierung ein Recht auf Ersatzflüge und ggf. Ausgleichsleistungen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Airline bzw. der Reiseveranstalter müssen sich darum kümmern, wie Betroffene an ihr Ziel kommen.
  • Wer den Flug selbst gebucht hat, muss mit deutlichen Verspätungen und ggf. Zusatzkosten rechnen. Wer einen Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht hat, sollte sich auch beim Veranstalter melden.
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Haben Sie selbst einen Flug gebucht, der wegen Streiks ausfällt, bleiben Ihnen zwei Optionen:

Sie können eine andere Beförderung und ggf. Ausgleichsleistungen verlangen

Möglichkeit 1: Bei der Fluggesellschaft auf eine anderweitige Beförderung, d.h. auf einen Ersatzflug, drängen. . Das kann aber bedeuten, dass Sie erst wesentlich später, zum Beispiel am nächsten  Tag, fliegen können, sobald Verbindungen verfügbar und Plätze frei sind.

Abhängig davon, wie lange Sie am Flughafen warten müssenist die Fluggesellschaft verpflichtet, Ihnen so genannte Betreuungsleistungen anzubieten. Sie muss Ihnen kostenlos Mahlzeiten und Getränke bereitstellen und Ihnen zum Beispiel ermöglichen, zwei Telefonate zu führenoder zwei E-Mails zu versenden. Falls Sie an demselben Tag den Flug nicht mehr antreten können, muss die Fluggesellschaft Sie in einem Hotel unterbringen und für die Fahrt dorthin und zurück zum Flughafen sorgen. Betrifft der Streik Ihren Rückflug und wird dadurch eine Verlängerung des Aufenthalts am Reiseziel erforderlich, muss die Fluggesellschaft Sie während dieser Zeit ebenfalls für Ihre Unterbringung in einem Hotel sorgen. 

Weigert sich das Unternehmen oder ist es für Sie nicht zu erreichen, können Sie sich selbst um eine angemessene Versorgung und Unterkunft kümmern. Bewahren Sie Rechnungen und Quittungen auf jeden Fall gut auf! Die Kosten für verweigerte Betreuungsleistungen können Sie von der Airline zurückfordern.

Zudem stehen Ihnen nach der Fluggastrechteverordnung so genannte Ausgleichsleistungen zu - es sei denn Sie wurden rechtzeitig informiert. Die Höhe der Ausgleichsleistungen (250 bis 600 €) ist dabei abhängig von der Entfernung zwischen Abflug- und Zielflughafen. Wichtig: Entscheidend ist die kürzeste Entfernung unabhängig von der tatsächlich zurückgelegten Flugstrecke. Ein Streik der eigenen Piloten und des eigenen Kabinenpersonals der Fluggesellschaft entlastet diese nicht von ihrer Zahlungsverpflichtung. Ein innerbetrieblicher Streik wird nach aktueller Rechtssprechung (vgl. EuGH , Urteil vom 23.3.2021, Az.: C-28/20) nicht als „außergewöhnlicher Umstand“ im Sinne der Fluggastrechteverordnung angesehen.

Passagiere können auf den Flug verzichten und Ticketpreise zurück verlangen.

Möglichkeit 2: Sie können auf den Flug verzichten und fordern, dass Ihnen das Geld binnen sieben Tagen zurückgezahlt wird. Eine Rückerstattung in Form eines Reisegutscheins ist nur mit schriftlichem Einverständnis möglich. Sie müssen sich dann selbst um einen anderen Flug oder eine Fahrt in den Urlaub bzw. nach Hause kümmern. Ob Plätze bei anderen Airlines frei sind und was diese im Moment kosten, sollten Sie sich unbedingt ansehen, bevor Sie vom Vertrag mit der Fluggesellschaft zurücktreten.

Zudem stehen Ihnen auch hier Ausgleichsleistungen zu - es sei denn, Sie wurden rechtzeitig informiert. Auf „außergewöhnliche Umstände“ kann sich die Fluggesellschaft bei einem Streik des eigenen Personals nicht berufen. 

Wird ein Flug wegen eines Streiks annulliert oder ist verspätet, haben Sie unter Umständen Ansprüche gegenüber der Airline. Diese können Sie mit unserer App "Flugärger" bequem und kostenlos berechnen und geltend machen.

Bei Pauschalreisen ist der Veranstalter Ihr Ansprechpartner

Besser sind Sie dran, wenn Ihr Flug Teil einer Pauschalreise ist – Sie also z. B. Flug, Unterkunft, Mietwagen oder andere Bestandteile bei einem Anbieter als Paket gebucht haben. Ist das der Fall, dann wenden Sie sich auch an Ihren Reiseveranstalter und drängen auf eine Lösung mit einer anderen Airline oder späteren Flügen!

Veranstalter einer Pauschalreise sind auch bei Streiks in der Verantwortung für Kosten, die bei Ihnen durch eine Verspätung entstehen. Das können z. B. Verpflegung, Unterkunft, Taxifahrten und Telefonate sein. Bleiben Sie im Kontakt mit Ihrem Veranstalter und drängen Sie etwa auf eine Unterkunft für die Nacht, wenn nicht am selben Tag eine Ersatzmaschine für Sie startet!

Sie können bei langen Verspätungen außerdem den Reisepreis mindern. Zeigen Sie dazu die Verspätung beim Reiseveranstalter unverzüglich an. Nach der Rechtsprechung dürfen Sie ab der fünften Stunde Verspätung pro Stunde Verspätung fünf Prozent des Tagespreises zurückfordern. Sollten Sie sich durch den ausgefallenen Flug so sehr verspäten, dass sich die ganze Reise nicht mehr lohnt (insbesondere bei Kurzreisen), dann können Sie den Reisevertrag kündigen.