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Strom und Gas beziehen: Sonderkunde oder Grundversorgung?

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Wer als Haushaltskunde Strom oder Gas bezieht, ist entweder Kunde in der Grundversorgung oder Kunde außerhalb der Grundversorgung, d. h. Sonderkunde. Vor allem beim Preis sind die Unterschiede meist erheblich.

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Der so genannte Grundversorger ist "jeweils das Energieversorgungsunternehmen, das die meisten Haushaltskunden in einem Netzgebiet der allgemeinen Versorgung beliefert" (§ 36 Absatz 2 EnWG). In der Regel ist dies das örtliche Stadtwerk oder ein Verbundunternehmen wie etwa RWE. Sind Sie dort Kunde und haben Sie keinen besonderen Tarif vereinbart, werden Sie als Haushaltskunde in der Grundversorgung zu den sogenannten Allgemeinen Preisen beliefert. Für Ihr Vertragsverhältnis gilt dann automatisch die Stromgrundversorgungsverordnung (StromGVV) bzw. die Gasgrundversorgungsverordnung (GasGVV).

Vorteil: Sie haben einen gesetzlichen Anspruch auf Belieferung und können den Vertrag jederzeit mit einer Frist von zwei Wochen kündigen.

Nachteil: Sie zahlen meist hohe Preise. Für Preiserhöhungen bis zum 29.10.2014 fehlte es jedoch an einer wirksamen Rechtsgrundlage, wie der Europäische Gerichtshof (EuGH) mit Urteil vom 23.10.2014 festgestellt hatte. Der BGH, der dieses Urteil umsetzen musste, hat jedoch in zwei Urteilen vom 28.10.2015 entschieden, dass die Versorger dennoch die Preise erhöhen durften. Lediglich Preiserhöhungen, die über die tatsächlich gestiegenen Kosten hinausgehen (also unrechtmäßige Gewinnanteile) könnten Kunden damit noch zurück verlangen.

Haben Sie mit Ihrem Grundversorger einen besonderen Tarif vereinbart oder einen Vertrag mit einem anderen Stromlieferanten als dem Grundversorger abgeschlossen, sind Sie rechtlich gesehen Sonderkunde. Es gelten dann nur die vom Versorger festgelegten Bedingungen.

Vorteil: Sie zahlen meist einen günstigeren Preis. Der Lieferant kann Preisänderungen nur aufgrund einer wirksamen Preisanpassungsklausel vornehmen. In der Vergangenheit waren viele Preiserhöhungen unwirksam, so dass Sie unter bestimmten Voraussetzungen für maximal drei Jahre Geld zurück verlangen können.

Nachteil: Der Lieferant bietet Ihnen oftmals Verträge mit einer längeren Grundlaufzeit an ‒ zum Beispiel von einem Jahr. Sie sind dann so lange an den Vertrag gebunden.

Sofern Sie als Kunde des örtlichen Grundversorgers noch nie gewechselt haben, sollten Sie zumindest mit dem Grundversorger einen Sondervertrag zu günstigeren Preisen abschließen oder zu einem anderen Anbieter wechseln.

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