Kleinwindkraftanlagen: Das sollten Sie wissen

Stand:

Wer auf seinem Dach oder im Garten mit einem Mini-Windrad selbst Strom erzeugen will, kann in seinen Erwartungen enttäuscht werden.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Mini-Windräder lohnen sich im Privathaushalt finanziell nicht.
  • Die erzeugte Strommenge von Mikro-Windanlagen ist (zu) klein.
  • Der Ertrag einer kleinen Windkraftanlage hängt extrem stark vom Aufstellort ab.
Zwei kleine Windkraftanlagen auf einem Dach
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Windkraft leistet einen wichtigen Beitrag zur Stromversorgung. Dabei handelt es sich aber durchweg um sehr große Anlagen. Fragen Sie sich also bei den sehr viel kleineren Anlagen für Privathaushalte: Lohnt es sich für mich, eine private Mini-Windkraftanlage auf mein Dach oder in den Vorgarten zu setzen? Ähnlich wie die auf Ein- und Zweifamilienhäusern sehr verbreiteten Solaranlagen?

Wir meinen eher nein. Die Erträge der Windkraftanlagen sind sehr klein und hängen extrem stark vom Standort ab. Die Qualität dieser Anlagen ist nicht immer so ausgereift wie bei Solaranlagen, allein schon deshalb, weil nur geringe Stückzahlen produziert werden. Obendrein droht noch Ärger mit Nachbar:innen durch Vibrationen und Geräusche. Von einem wirtschaftlichen Betrieb kann keine Rede sein.

Wenn Sie sich dennoch ein Mini-Windrad zulegen möchten, sollten Sie folgende Punkte beachten.

Wie viel Ertrag liefert eine Kleinwindkraftanlage?

Der Ertrag ist abhängig vom Wind und vom Standort. Auch wenn manche Anbieter:innen versprechen, dass gerade ihre Anlage mit ihrem speziellen Design besonders viel Strom erzeugt, sollten Sie bedenken: Grundsätzlich kann selbst die beste Anlage nicht mehr Energie aus dem Wind herausholen als drin ist. Doppelte Windgeschwindigkeit bringt den achtfachen Ertrag – die halbe nur ein Achtel.

Beispiel für eine Ertragsschätzung:

Rotordurchmesser 1,0 m (Propeller mit horizontaler Achse)
Rotorfläche 0,8 m²
Stromerzeugung 96 kWh pro Jahr*
Wert des Stroms 29 € / Jahr (wenn er zu 100% im eigenen Haus verbraucht wird)

Bei doppeltem Durchmesser vervierfacht sich der Ertrag.

*Annahme für Ertrag im Binnenland bei optimistisch guter Lage auf Hausdach: 120 kWh/m². Je nach Lage und Qualität der Anlage kann der Ertrag deutlich niedriger sein.

Wie die Beispielrechnung zeigt, erzeugt eine Dachanlage Strom im Wert eines kleinen zweistelligen Eurobetrags pro Jahr. Im Zweifelsfalle eher weniger.

Letztlich würde eine Solarstromanlage mit gleicher Fläche in den meisten Fällen ähnlich viel oder sogar mehr Strom erzeugen, und das mit einer viel größeren Zuverlässigkeit.

Wie finde ich heraus, ob eine Mini-Windanlage bei mir sinnvoll ist?

Sinnvoll kann eine kleine Windanlage nur dann sein, wenn der Standort sehr gut geeignet ist. Bebaute Gebiete sind ungünstig, weil umstehende Gebäude ebenso wie Bäume den Wind ausbremsen. Ob die kleine Windanlage in Tallage oder exponiert steht, macht sehr viel aus.

Wenn Sie es genau wissen möchten, können Sie vorher durch eine Windmessung begutachten lassen, ob sich Ihr Standort eignet. Das ist allerdings in den meisten Fällen nicht sinnvoll, weil die Kosten für die Windmessung in keinem angemessenen Verhältnis zu den Kosten für die Anlage und dem erwartbaren Ertrag stehen.

Wo sollte eine private Windanlage montiert werden?

Je höher und freier die Mini-Windanlage montiert wird, desto mehr Strom erzeugt sie. Nachbargebäude und Verwirbelungen schmälern den Ertrag merklich.

Das eigene Dach ist windtechnisch ein ungünstiger und unkalkulierbarer Standort. Bei der Montage auf Gebäuden können störende Geräusche und Vibrationen übertragen werden.

Den idealen Standort - eine Anlage auf einem hohen Mast, der auf einer freien Wiese auf einer Bergkuppe steht mit einer kurzen Stromleitung zum eigenen Haus – wird wohl kaum eine Privatperson haben.

Was sagt die Nennleistung aus?

Die von Hersteller:innen angegebene Nennleistung hat so gut wie keine Aussagekraft, wenn sie nicht von neutraler Stelle bei definierten Bedingungen ermittelt wurde. Entscheidend ist die Leistung bei kleinen Windgeschwindigkeiten, nicht bei selten auftretendem Starkwind.

Kann ich für meine Mini-Windkraftanlage eine Vergütung erhalten?

Ja, allerdings ist die Vergütung für eingespeisten Windstrom 2021 mit etwa 6 Cent pro Kilowattstunde (kWh) nicht gerade üppig. Sie fahren also besser, wenn Sie den Windstrom selbst nutzen, weil sie dann nicht teuren Strom aus dem Netz kaufen müssen, der immerhin etwa 30 Cent/kWh kostet. Bei den aller Voraussicht nach geringen Mengen an selbst erzeugtem Strom dürfte der Einspareffekt aber auch in diesem Fall nur gering sein.

Schwierig bis unmöglich ist es, wenn eine Kombination von Solarstromanlage und Kleinwindanlage rechtssicher betrieben werden soll. Ohne zusätzliche kostenpflichtige Stromzähler und deren Verrechnung geht dies gar nicht.

Woran erkenne ich eine gute Kleinwindkraftanlage?

Während in der Photovoltaikbranche seit Jahrzehnten um jedes Prozent Wirkungsgradverbesserung kontinuierlich gerungen wird, ist das bei Kleinwindkraftanlagen schon wegen ihres vergleichsweise winzigen Marktes nicht zu erwarten. Auch die Lebensdauer, die bei Photovoltaikmodulen heute mit 20 und mehr Jahren angesetzt, teilweise sogar garantiert wird, ist bei Windkraftanlagen unsicher und dürfte deutlich niedriger sein.

Um abschätzen zu können, ob ein Mini-Windrad die gewünschte Qualität hat, sollten Sie vorab folgende Fragen stellen:

  1. Wo ist solch eine Anlage zu besichtigen, die schon einige Jahre im Betrieb ist?
  2. Ist die Kleinwindanlage sturmsicher?
  3. Läuft sie leise?
  4. Wie sieht es mit der Lebensdauer aus?
  5. Liegen Prüfzertifikate vor?
  6. Ist die Anlage für die Netzeinspeisung geeignet und zugelassen oder handelt sich es um eine Anlage für den Camping-Bereich?

Bei den Antworten auf diese Fragen sollten Sie nicht allein auf die Angaben der Hersteller vertrauen, sondern auch unabhängige Quellen wie beispielsweise die Internetseite https://klein-windkraftanlagen.com zu Rate ziehen. Dort finden Sie auch Informationen zu Anlagen, die etwas größer sind als die hier betrachteten Dach- und Gartenanlagen.

Muss ich meine Windkraftanlage anmelden oder versichern?

Kleine Windkraftanlagen müssen Sie beim Stromnetzbetreiber und bei der Bundesnetzagentur anmelden. Erkundigen Sie sich auch bei Ihrer Gebäude- und Haftpflichtversicherung, ob die Versicherungsgesellschaften eine derartige Anlage in eine bestehende Police aufnehmen. So können Sie sicherstellen, dass Sie gegen mögliche Schäden versichert sind, die durch die Anlage verursacht werden können.

Klären Sie ebenfalls, ob Sie eine Baugenehmigung benötigen.

Welche Risiken sollte ich vor der Installation beachten?

Geräusche könnten im Haus selbst, aber auch Nachbar:innen stören. Die Lebensdauer des Mini-Windrads könnte unerwartet kurz sein und vor allem kann der Ertrag kleiner als erwartet ausfallen. Es besteht sogar das Risiko, dass solch eine Anlage übers Jahr mehr Strom selbst verbraucht als sie erzeugt.

Welche Arten von Windkraftanlagen gibt es?

Es gibt bei diesen kleinen Anlagen viele verschiedene Designs, vom klassischen "Propeller" bis zu sich vertikal drehenden Modellen. So lange keine neutral ermittelte Kennlinie aus Windkanalmessungen vorliegt, sollten Sie das eher unter gestalterischen Gesichtspunkten sehen.

Fazit: Kleinwindkraftanlagen funktionieren unter idealen Standortbedingungen und in speziellen Bereichen wie auf Booten oder bei entlegenen Hütten oft sogar unter extrem rauen Bedingungen zuverlässig. Für Wohngebäude sind sie im Garten oder auf dem Dach aber eher ungeeignet.