Was steckt in veganem Eis? Ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Bayern

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Die Vielfalt an schokoladigen, veganen Eissorten ist groß. Aber wie sind sie gekennzeichnet und zusammengesetzt? Das wollte die Verbraucherzentrale Bayern wissen und untersuchte im Juni 2022 in einem Marktcheck 34 vegane Eissorten.
Schokoladeneis ansprechend angerichtet

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Kennzeichnung der veganen Eissorten ist teilweise unzureichend
  • Teilweise ist schwer zu erkennen, welcher vegane Milchersatz verwendet wurde
  • Einheitliche Mengenangabe von Eis in Volumen und Gewicht ist notwendig
  • Zum Teil werden viele Zusatzstoffe eingesetzt
  • Die Angabe von Kakao- oder Schokoladenanteil im Eis fehlt oftmals
  • Nur wenige Eissorten tragen den Nutri-Score als Einkaufshilfe
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Mittlerweile gibt es neben veganem Frucht-Sorbet auch klassische Sorten wie Schokoladen-, oder Vanilleeis über Eis mit Cookies bis hin zum Stiel- oder Waffelhörncheneis. Diese Produkte hat sich die Verbraucherzentrale Bayern in einer Marktstichprobe genauer angesehen. Eine klare und deutliche Kennzeichnung der Produkte ist dabei wesentlich. Eine bewusste Kaufentscheidung ist nur möglich, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher auf der Produktverpackung problemlos die wichtigsten Informationen finden. Am besten direkt auf der Vorderseite.

Ersatzbasis im Hauptsichtfeld nicht immer erkennbar

Bei immerhin 56 Prozent aller im Marktcheck durchleuchteten Produkte findet sich ein Hinweis auf die Ersatzbasis im Produktnamen oder im Hauptsichtfeld. Knapp 25 Prozent geben allerdings keinerlei Auskunft über die verwendete Ersatzbasis. Ist die Ersatzbasis im Hauptsichtfeld nicht genannt kann dies bei Verbraucherinnen und Verbrauchern zu falschen Erwartungen führen. Aus diesem Grund sollten die ersetzenden Zutaten bei veganem Eis entweder im Produktnamen, der Bezeichnung am besten im Hauptsichtfeld zu finden sein.

Einheitliche Mengenangabe nach Gewicht und Volumen sind notwendig

Laut Fertigverpackungsverordnung wird abgepacktes Speiseeis, obwohl es fest ist, nach Volumen gekennzeichnet. Ein Hinweis auf das Gewicht ist nicht vorgeschrieben. Hersteller von Speiseeis schlagen häufig viel Luft in ihre Produkte. Durch diesen Lufteinschlag kommt es zu großen Unterschieden zwischen Volumen und Gewicht. Auch der Grundpreis für Eis, der im Handel auf dem Preisschild am Regal steht, bezieht sich auf einen Liter. Bei der Nährwertkennzeichnung beziehen sich manche Hersteller auf 100 g, andere auf 100 ml. Das macht die Nährwertangaben verschiedener Eissorten untereinander nicht vergleichbar. Aus Sicht der Verbraucherzentrale Bayern wäre es verbraucherfreundlicher, wenn Füllmenge und Grundpreis bei Eis nach Gewicht oder zumindest kombiniert nach Volumen und Gewicht angegeben werden müssten. Dann hätte der Lufteinschlag keinen Einfluss mehr auf die Füllmenge. Die Rechtsvorschrift in der Fertigpackungs-Verordnung für Eis sollte geändert werden.

Veganes Eis enthält teilweise viele Zusatzstoffen

In den 34 untersuchten Eis-Produkten kommen 15 verschiedene Zusatzstoffe zum Einsatz. Am häufigsten wurden Johannisbrotkernmehl, Guarkernmehl und Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren verwendet. Keinerlei Zusatzstoffe enthielten lediglich zwei Bio-Produkte, dagegen hatten drei konventionelle Eissorten jeweils sieben verschiedene Zusatzstoffe.

 

Zusatzstoffe
Die fünf häufigsten Zusatzstoffe bei den im Marktcheck untersuchten veganen Eissorten

 

Der Anteil sämtlicher Kakaoerzeugnisse sollte anhand der Zutatenliste erkennbar sein

Damit einzelne Produkte besser beurteilt und miteinander verglichen werden können, sollte der Anteil sämtlicher Kakaoerzeugnisse, die zum Schokoladengeschmack beitragen, in der Zutatenliste in Prozent angegeben werden. Bei Abbildungen und Werbung mit Zutaten fehlen die Mengenangaben in der Zutatenliste. Werden Zutaten auf der Verpackung abgebildet oder ausgelobt, so muss in der Regel der prozentuale Mengenanteil angegeben sein. Auf „Schokoladeneis“ steht beispielsweise der Schokoladenanteil. Nicht alle Hersteller im Marktcheck halten sich an diese Regel. Die Hersteller sollten keine Schokolade abbilden oder mit Worten darauf hinweisen, dass Nüsse im Produkt enthalten sind, wenn sie dazu keine Mengenangaben auf der Verpackung machen.

Vegan Siegel nicht einheitlich auf allen Produkten zu finden

Mit dem europäischen V-Vegan Siegel oder der britischen Vegan Blume sind bereits 21 von 34 Produkten gekennzeichnet. Es wäre wünschenswert, wenn alle Produkte ein entsprechendes Siegel tragen, damit Verbraucherinnen und Verbraucher die veganen Produkte schnell und sicher identifizieren können.

Werbung mit Klimaneutralität – kaum zu überprüfen

Einige Hersteller versprechen Verbraucherinnen und Verbraucher, dass ihre Eisprodukte klimaneutral sind und teilweise sogar eine negative CO2 Bilanz aufweisen. Diese Angaben lassen sich auch auf den Internetseiten der Hersteller nicht nachprüfen und verifizieren. Unklar bleibt, wie negative CO2 Bilanzen erreicht werden und worauf sich die Angaben beziehen. Um Verbraucherinnen und Verbraucher nicht zu täuschen, sollten die Hersteller auf nicht belegbare Aussagen verzichten.

Nutri-Score ist auf den Produkten kaum zu finden. Die Verbraucherzentrale Bayern hat nachgerechnet.

Lediglich vier der 34 Eissorten haben den Nutri-Score auf ihrer Verpackung abgedruckt. Die entsprechenden Eissorten tragen drei Mal die Stufe D und ein Eis die Stufe A. Die Verbraucherzentrale fordert die Hersteller auf den Nutri-Score zu verwenden. Gerade bei der Produktgruppe veganes Eis hätten Verbraucherinnen und Verbraucher mit dem Nutri-Score Vergleichsmöglichkeiten und könnten sich für Produkte mit dem besseren Nährwertprofil entscheiden. Die Verbraucherzentrale Bayern hat bei den übrigen 30 Eissorten den Nutri-Score nachgerechnet:

Nutri- Score-Bewertung der Produkte (n= 30): Farbskala A (dunkelgrün), B (hellgrün), C (gelb), D (orange), E (rot); eigene Berechnung, soweit die Daten zur Verfügung standen
Nutri-Score-Bewertung (n=30): Farbskala A (dunkelgrün), B (hellgrün), C (gelb), D (orange), E (rot); eigene Berechnung, soweit die Daten zur Verfügung standen

 

Den ausführlichen Bericht zum Marktcheck gibt es hier (9,06 MB) zum Herunterladen. Eine reine Übersicht über die untersuchten Produkte finden Sie hier (2,06 MB).