Kratom – Erhebliches Risiko

Stand:

Kratom, Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin können abhängig machen und haben gefährliche Nebenwirkungen.

Das Wichtigste in Kürze:
Achtung, kann der Gesundheit schaden

  • Als Kratom angeboten wird das Blattpulver des asiatischen Kratom-Baums.
  • Eine Wirkung gegen Schmerzen, Entzündungen oder Depressionen ist nicht belegt. Hinzu kommt, dass Nahrungsergänzungsmittel nicht für die Therapie von Krankheiten gedacht sind.
  • Es gibt zahlreiche gefährliche Nebenwirkungen bis hin zu Todesfällen.
  • Kratom kann süchtig machen.
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Was steckt hinter der Werbung?

Kratom, auch Herbal Speed oder Herbal Speedball genannt, sind die pulverisierten Blätter des in Thailand, Malaysia, Indonesien und Papua-Neuguinea wachsenden Kratom-Baums (Roter Sentolbaum, Mitragyna speciosa). Andere Bezeichnungen sind Biak, Katawn, Krton Mabog oder Mambog. Die Blätter, aber auch Pulver und Kapseln („natürliches Nahrungsergänzungsmittel“) werden vor allem über das Internet angeboten - im deutschsprachigen Raum oft "nicht für den Konsum", aber mit Verweis auf andere Internetseiten.

Der Verzehr von Kratom-Pulver oder Kratom-Tee bei Durchfall, Entzündungen, Fieber und Schmerzen, aber auch bei Angst und Depressionen wird mit angeblichen Erfahrungen aus der ostasiatischen Volksmedizin begründet. Einige Sorten sollen eine euphorisierende Wirkung haben. Wissenschaftliche Belege dafür gibt es nicht.

Wie gefährlich ist Kratom?

Stattdessen häufen sich die Meldungen über unerwünschte Nebenwirkungen: Verstopfung, Appetitlosigkeit und Leberschäden, Krampfanfälle, Halluzinationen und Verwirrheit. Bisher wird von etwa 50 Todesfällen in den USA berichtet. Es besteht ein Abhängigkeitsrisiko (Suchtrisiko).

Achtung: Kratom in Kombination mit hohen Dosen Von Koffein kann zu hohem Blutdruck führen.

Die Kombination mit Alkohol verstärkt eine beruhigende Wirkung bis hin zur Atemnot.

Das Pulver enthält verschiedene Pflanzenalkaloide offenbar in sehr unterschiedlicher Konzentration, Standardisierungen gibt es nicht, so dass die Wirkung unkontrollierbar ist. Derzeit wertet die Food and Drug Administration in den USA alle verfügbaren wissenschaftlichen Informationen zu diesem Thema aktiv aus und warnt die Verbraucher weiterhin davor, Produkte mit Kratom oder seinen psychoaktiven Verbindungen Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin zu verwenden.

Hinzu kommt, dass in den letzten Monaten immer wieder Kratom-Produkte mit massiver Salmonellenbelastung gefunden wurden. Einige Produkte enthielten auch problematisch hohe Mengen der giftigen Schwermetalle Blei und Nickel.

Wie ist die Rechtslage?

In verschiedenen Ländern (z.B. Schweiz, Australien, Großbritannien, Dänemark, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien und Schweden) gehört Kratom zu den zu kontrollierenden Substanzen, ist also kein legales Nahrungsergänzungsmittel. Im Heimatland Thailand sind der Besitz und der Konsum seit 1943 verboten.

In Deutschland gibt es noch keine wirkliche rechtliche Einschätzung. Eine Entscheidung der Betäubungsmittelkommission wurde 2010 vertagt. Nach Meinung der Autoren des arznei-telegramms erscheint aber auch hierzulande aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes die Listung von Kratom als nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel geboten.

Zumindest aber ist es fraglich, ob Kratom überhaupt ein Lebensmittel sein kann. Kann ein regelmäßiger Verzehr in der EU von Mai 1997 nicht nachgewiesen werden, handelt es sich um ein neuartiges Lebensmittel und müsste zunächst eine Sicherheitsprüfung durch die EU durchlaufen.

 

Quellen


arznei telegramm 49 (6), 55-56, 2018

FDA (2019): FDA and Kratom, Stand: 03.04.2019, abgerufen am 09.08.2019

FDA: Laboratory Analysis of Kratom Products for Heavy Metals, Stand: 03.04.2019

FDA: Adverse Event Reporting System: Kratom Deaths, Stand: 06.02.2018

MedWatch: Blätter des Kratom-Baums: Gefährlich statt gesund, Stand: 04.04.2019

35. Sitzung des Sachverständigenausschusses nach § 1 Abs. 2 des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) am 3.05.2010

51. Sitzung des nach § 1 Abs. 2 Betäubungsmittelgesetz (BtMG) und nach § 7 Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) zu hörenden Sachverständigenausschuss am 06.05.2019