Fleisch kaufen: Gute Haltungsbedingungen haben ihren Preis

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Fleischkäufer entscheiden nicht nur hinsichtlich Geldbeutel und Qualität der Mahlzeit. Sie beeinflussen mit ihrem Kaufverhalten u. a. auch die Haltung und Fütterung der Tiere.

Eine grafische Darstellung zeigt die Silhouette eines Schweins auf einem Teller mit Preisschildern darauf.
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Dadurch entscheiden sie zum Beispiel mit über Tierschutz, den Erhalt der biologischen Vielfalt und die Zukunft unserer Kulturlandschaften. Gerade bei Fleisch hat die Kaufentscheidung einen weit reichenden Einfluss auf die gesamte landwirtschaftliche Produktionskette und die Umwelt.

Schattenseiten der Niedrigpreise

Der Preiskampf des Handels über Billigangebote im Fleischbereich führt auf Dauer zu Qualitätseinbußen und fördert Konzentrationsprozesse auf allen Stufen von der Tierhaltung über die Schlachtung und Verarbeitung bis hin zum Handel. Kleine Betriebe mit niedrigeren Produktionsmengen können nicht so kosteneffizient arbeiten wie die Großen -– das "Bauernsterben" und die stetig sinkende Zahl der Metzgereien zeigen seit vielen Jahren, wohin die Reise geht.

Niedrige Preise gehen auch zu Lasten des Tierwohls in der Tierhaltung. Alle Tierschutzmaßnahmen, die über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen, kosten zusätzliches Geld. Je niedriger die Erlöse sind, umso geringer ist der finanzielle Spielraum für freiwillige Maßnahmen.

Tierschutz ist nicht zum Nulltarif zu haben...

...und liegt auch in der gesellschaftlichen Verantwortung. Angemessen höhere Preise sind daher eine überfällige Investition. Der heutige Fleischkonsum ist angesichts seiner Umwelt- und Klimafolgen sowie aus gesundheitlicher Sicht zu hoch und sollte reduziert werden. Weniger, aber dafür qualitativ besseres Fleisch ist das Motto, dann stellen angemessene – höhere - Fleischpreise für niemanden ein Problem dar.

Qualitätswettbewerb statt Preiskampf um Fleisch

Statt Fleisch weiter über dauerhafte Niedrigpreise und ruinöse Sonderangebote zu verkaufen, fordert die Verbraucherzentrale den Handel auf, sich für höhere Qualität und einen verbesserten Tierschutz bei seinen Fleischprodukten zu engagieren.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium arbeitet an einer staatlichen Tierwohlkennzeichnung für Fleisch. Allerdings werden die ersten damit gekennzeichneten Produkte nicht vor 2020/21 im Handel zu finden sein. Dann jedoch müssen sie den Verbrauchern breit zugänglich gemacht werden, so die Forderung der Verbraucherzentrale. Alle Handelsunternehmen und auch die Gastronomie und Hersteller von Wurst und Fleischerzeugnissen müssen Produkte mit dem staatlichen Tierwohlkennzeichen anbieten.

Nicht zuletzt kommt es auch auf die Nachfrage an. Nur wenn Verbraucher sich für die Tierwohl-Fleischprodukte entscheiden und die dafür notwendigen höheren Preise zahlen, kann das Konzept im Sinne von mehr Tierschutz ein Erfolg werden.

Gesetzgeber muss Tierschutz insgesamt deutlich verbessern

Doch freiwillige Tierwohlkennzeichnungen verbessern den Tierschutz nur für einen Teil der Tiere. Agrarexperten bescheinigen der Nutztierhaltung in Deutschland „erhebliche Defizite vor allem im Bereich Tierschutz“. 
Das ist ethisch nicht akzeptabel und steht im Widerspruch zum Staatsziel Tierschutz.

Die Verbraucherzentrale fordert deshalb, den gesetzlichen Standard der Tierhaltung insgesamt anzuheben, damit:

  • alle Tiere besser als bisher geschützt werden
  • sie ihr arteigenes Verhalten ausleben können
  • ihnen keine Körperteile mehr amputiert werden
  • sie im Regelfall gesund sind und keine Arzneimittel benötigen

Darüber hinaus fordern wir in der Europäischen Union eine einheitliche, verpflichtende Haltungskennzeichnung für alle tierischen Lebensmittel.