Menü

Wissenswertes über Ökogas

Stand:

Beim Gas lohnt es bislang nicht, in angeblich umweltfreundlichere Tarife zu wechseln.

On

Zahlreiche Energieversorger bieten als – teurere – Variante ihres Heizgases auch einen Öko-, Bio- oder Klimatarif an. Beworben werden diese Angebote als umweltfreundlichere Alternative.

Die Verbraucherzentrale sieht jedoch beim Gas nur in wenigen Fällen einen Mehrwert durch den Wechsel in einen solchen Ökotarif. Denn der Umweltnutzen der verschiedenen Modelle ist aus unterschiedlichen Gründen zweifelhaft. Eine zuverlässige Orientierung anhand von Labels oder Siegeln ist zudem nicht möglich.

Lediglich wer ein Blockheizkraftwerk betreibt, kann durch die Nutzung von Biogas-Produkten unter Umständen einen gesicherten Beitrag zum Klimaschutz leisten. Wird das Gas allein eingesetzt, um Wärme zu erzeugen, ist dieser Beitrag derzeit bei keiner Gruppe von Ökogas-Produkten gewährleistet.

Die als ökologisch vorteilhaft beworbenen Gastarife lassen sich in drei Gruppen aufteilen:

Biomethan-Produkte

Biomethan ist ein Gas aus erneuerbaren Quellen, das je nach Anbieter zu unterschiedlichen Anteilen dem fossilen Erdgas beigemischt wird. Es handelt sich um Biogas aus Biomasse-Anlagen, das für die Einspeisung ins Gasnetz aufbereitet wird. Diese Anlagen werden mit organischen Feststoffen betrieben. Das kann Grünabfall oder Gülle sein; in den meisten Fällen kommen aber eigens dafür angebaute Pflanzen zum Einsatz.

Grundsätzliche Bedenken gegenüber Biomethan aus solchen Pflanzen gleichen denen, die aus dem Bereich der Bio-Kraftstoffe oder -Kraftstoff-Beimischungen (Biodiesel, Super E10) bekannt sind: Zum einen konkurriert der Anbau der Energiepflanzen mit dem der Lebensmittel ("Tank oder Teller"). Zum anderen kann eine erhöhte Nachfrage nach Biogas zu einer verstärkten Umwandlung von Grünflächen in Ackerland führen, die das Klima eher beeinträchtigt. Unproblematisch ist in dieser Hinsicht allein Biomethan aus Grünabfall. Doch dieser ist in Deutschland begrenzt verfügbar, so dass auch das Potenzial der Biogaserzeugung begrenzt ist.

Gegen die Verwendung jeglichen Biomethans im reinen Heizkessel spricht allerdings, dass es in anderen Bereichen effizienter eingesetzt werden kann. So wäre es ökologisch vorteilhafter, das begrenzt verfügbare Biogas im Kraftstoffbereich zu nutzen. Noch etwas besser, aber immer noch vergleichsweise schlecht, ist die Klimabilanz, wenn das Gas für die reine Stromerzeugung genutzt wird. Allein der kombinierte Einsatz des Gases, um in einem (Block-)Heizkraftwerk Strom- und Wärme zu erzeugen, weist eine hohe Effizienz auf und rechtfertigt die Verbrennung des Biomethans. Nach Ansicht der Verbraucherzentrale sollten die begrenzt verfügbaren Mengen an Biomethan dort eingesetzt werden, wo sie auch langfristig im Energiewendesystem ihren sinnvollen Platz finden.

Kompensations-Produkte

Bei Produkten aus dieser Gruppe beziehen die Kunden ganz normales fossiles Erdgas, zahlen aber einen Kompensations-Aufschlag, um ihre Klimabilanz zu bereinigen. Mit den Zusatzeinnahmen aus dem Aufschlag fördern die Versorger Vorhaben, die den heizungsbedingten CO2-Ausstoß wettmachen, also kompensieren sollen. Zertifikate für diese Projekte sollen sicherstellen, dass nur wirksame Vorhaben unterstützt werden. Das können entweder Maßnahmen zur CO2-Vermeidung sein, etwa durch Nutzung von erneuerbaren Energien, oder zum Beispiel Waldschutz-Projekte und Aufforstungen, bei denen CO2 in Biomasse gebunden und so der Atmosphäre zeitweise entzogen wird.

Das Problem bei Kompensations-Produkten ist, dass es eine große Zahl von Siegeln und Labeln gibt, von denen einige durchaus anspruchsvoll sind. Vielfach lässt sich aber nur schwer nachvollziehen, ob die finanzierten Projekte wirklich den verursachten CO2-Ausstoß ausgleichen. Bei den relativ kostengünstigen und deshalb beliebten Aufforstungen und Waldschutz-Projekten in Entwicklungsländern kommt noch eine weitere Sorge hinzu: Weder ist sichergestellt, wie langfristig und damit nachhaltig diese sind. Noch ist garantiert, dass es keine negativen ökologischen und sozialen Begleiterscheinungen gibt, etwa weil Ökosysteme beeinträchtigt werden.

Grundsätzlich gilt: Wer das Klima sicher schützen möchte, sollte besser den eigenen CO2-Ausstoß verringern, als ihn an anderer Stelle auszugleichen. Dabei helfen zum Beispiel effiziente Technik, erneuerbare Energien, sparsames Heizverhalten und Wärmedämmung. Wer dennoch, vielleicht zusätzlich, Gas mit Kompensations-Effekt beziehen möchte, sollte sich bei der Tarifwahl am anspruchsvollen "Gold Standard"-Zertifikat der Gold Standard Foundation orientieren. Das vom WWF mitinitiierte und unterstützte Zertifikat berücksichtigt neben ökologischen auch soziale Aspekte. Auch hier werden aber mittlerweile teilweise reine Aufforstungsprojekte unterstützt.

Elektrolyse- bzw. Power-to-Gas- ("Strom zu Gas")-Produkte

Vereinzelt gibt es Produkte, bei denen dem fossilen Erdgas ein Anteil Wasserstoff beigemischt wird, der mithilfe von Elektrizität aus Wasser gewonnen wird. Teils findet vor der Einspeisung ins Gasnetz noch eine Umwandlung in Methan statt. Der Vorgang der Gewinnung des Gases mittels Elektrizität heißt Elektrolyse und gibt dem Gas seinen Namen - "Power to Gas" heißt "Strom zu Gas". Die Anbieter werben damit, dass der dafür verwendete Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind- oder Sonnenenergie stammt und sonst ungenutzt bliebe, so dass keine fossilen Brennstoffe zum Einsatz kommen und Energie effizient verwertet wird.

Das Konzept sieht vor, vor allem überschüssigen Strom aus Anlagen zu nutzen, die ihre Energie eigentlich ins Netz einspeisen. Ein solcher Überschuss fällt an, wenn eine Anlage abgeregelt ist. Das heißt, sie kann zwar gerade Strom erzeugen, aber nicht einspeisen, weil zum Beispiel das Netz ausgelastet ist oder keine entsprechende Last im Netz nachgefragt wird. Diesen Strom trotzdem zu nutzen, wäre ökologisch sinnvoll. Derzeit ist die verfügbare Menge solchen Stroms allerdings noch relativ gering, so dass die Power-to-Gas-Technologie nicht flächendeckend eingesetzt werden kann. Langfristig gilt sie aber als großer Hoffnungsträger unter den Stromspeichern. Aktuell sind circa 20 Versuchsanlagen in Deutschland in Betrieb.

Wer also derzeit einen Power-to-Gas-Tarif wählt, unterstützt vor allem die Einführung und Weiterentwicklung der Technologie. Der unmittelbare ökologische Nutzen dürfte angesichts der geringen Mengen noch klein sein.