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Herzlich willkommen im neuen Internetauftritt der Verbraucherzentrale! Wir haben viel getan - hier stellen wir die Neuerungen vor.

Vernetztes Fahren: Autofahrer wollen starken Schutz ihrer Daten

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Insgesamt nutzen bereits 42 Prozent der Befragten digitale Dienste im Auto - besonders häufig Navigationsdienste und Fahrerassistenzsysteme; 45 Prozent können sich dies in Zukunft vorstellen.
  • Die Befragten wollen wissen und mitbestimmen, was mit ihren Daten passiert. Eine Nutzung etwa für Werbezwecke (81 Prozent), den Weiterverkauf an Dritte (87 Prozent) oder das Erstellen von Bewegungsprofilen lehnen die meisten (75 Prozent) ab.
  • Auch sieht die Mehrheit (62 Prozent) ein Problem darin, wenn es in Zukunft nur noch vernetzte Autos gäbe.
smartphone an der Windschutzscheibe befestigt

Vernetztes Fahren

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Aktueller Standort, Geschwindigkeit, Fahrtprotokolle: Beim vernetzten Fahren will eine große Mehrheit der Verbraucher angesichts dieses sensiblen Bereichs Klarheit in Sachen Datenschutz. Fast alle wünschen sich einen genauen Überblick über die Verwendung ihrer Daten und wollen bestimmen, wer die Daten zu welchem Zweck bekommen und nutzen darf. Auch wollen viele einzelne Dienste und Anwendungen im Auto abschalten können. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Marktwächter-Teams der Verbraucherzentrale NRW.

Unter vernetztem Fahren versteht man den Informationsaustausch in Echtzeit (z.B. via Mobilfunk, W-LAN, Bluetooth) zwischen mehreren Fahrzeugen oder zwischen einem Fahrzeug und anderen internetfähigen Geräten (Smartphone, in Zukunft vernetzte Ampeln etc.).

Datenkontrolle: Autofahrer wollen auch abschalten können

Ob Nutzer oder Nicht-Nutzer - die Befragten wollen den Überblick und die Kontrolle über ihre Daten behalten: Der Großteil (90 Prozent) befürwortet, dass mit wenigen Klicks erkennbar sein muss, welche Dienste welche Daten nutzen. Zudem möchten nahezu alle Befragten (92 Prozent) digitale Dienste und Anwendungen im Auto (inklusive deren Datenverwendungen) mit wenigen Klicks abschalten können. Überhaupt sehen knapp zwei Drittel (62 Prozent) ein Problem darin, wenn es in Zukunft nur noch vernetzte Autos geben würde.

"Dies zeigt deutlich, dass die Befragten Entscheidungsfreiheit haben wollen, was den Grad der Vernetzung und die Verwendung ihrer Daten betrifft", sagt Ayten Öksüz vom Marktwächter-Team Digitale Welt in der Verbraucherzentrale NRW.

 

Bevor Sie ein Fahrzeug kaufen, das über eine digitale Schnittstelle verfügt, erkundigen Sie sich, welche Daten gesammelt werden, wo diese Daten gespeichert werden, wer Zugriff auf diese Daten hat und wie Sie den Datenfluss kontrollieren können. Diese Informationen sollten Sie direkt von ihrem Autohändler oder dem Hersteller erhalten. Um unnötigen Datenfluss zu verhindern, überprüfen Sie, ob bestimmte Funktionen, die Sie nicht nutzen, abschaltbar sind (z.B. wenn kein Bluetooth im Auto genutzt wird, sollte diese Funktion abgeschaltet werden).

Datenweitergabe? Hängt vom Zweck ab

Ob Verbraucher ihre Daten, die bei der Nutzung von vernetzten Fahrzeugen anfallen, überhaupt weitergeben wollen, hängt klar von dem damit verbundenen Zweck ab: Grundsätzlich hätten fast zwei Drittel (64 Prozent) kein Problem damit, wenn ihre Daten für die Verbesserung digitaler Dienste und Anwendungen genutzt werden würden. Aber ein Weiterverkauf von Daten an Dritte (87 Prozent), die Nutzung von Daten für die Erstellung von Bewegungsprofilen (75 Prozent) oder für Werbezwecke (81 Prozent) stoßen bei der Mehrheit der Befragten auf Ablehnung.

Bevor Sie das Fahrzeug mit mobilen Endgeräten wie einem Smartphone synchronisieren, überprüfen Sie, ob die Daten im fahrzeuginternen Speicher abgelegt werden und auch wieder gelöscht werden können (Dies kann beispielsweise über die Funktion Kontakte- oder Nachrichtensynchronisierung geschehen).

Datennutzung: vzbv fordert umfassende Regulierungen

"Auch beim Auto dürfen kommerzielle Interessen nicht Vorrang vor dem Recht auf Privatsphäre haben. Die Datennutzung rund ums Auto wird für die Verbraucher zunehmend unüberschaubar, während die unterschiedlichen Anbieter durch die Digitalisierung Fakten schaffen. Die nächste Bundesregierung ist aufgefordert, die Datennutzung bei vernetzten und automatisierten Fahrzeugen schnell und umfassend zu regulieren", verlangt Marion Jungbluth, Teamleiterin Mobilität und Reisen beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Eine Forderung, die sich mit den Erwartungen der befragten Verbraucher deckt.

Datenschutz: Anbieter sollen für klare Verhältnisse sorgen

So wollen 84 Prozent genaue Angaben zur Verwendung ihrer Daten: Sie sehen den Hersteller in der Pflicht, dem Halter noch vor der eigentlichen Nutzung alle im Fahrzeug erhobenen, gespeicherten und verarbeiteten Daten aufzulisten. Knapp zwei Drittel (64 Prozent) befürworten außerdem, dass eine neutrale Kontrollstelle mit Hilfe dieser Auflistung die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen überprüfen können sollte. Darüber hinaus stimmt die große Mehrheit der Befragten (83 Prozent) ebenfalls der Aussage zu, dass Autokäufer mittels einer standardisierten Grafik über die Sicherheit ihrer Daten - bereits beim Kauf eines Autos - informiert werden sollten.

Halten Sie sich auf dem neuesten Stand und achten Sie darauf, ob sich die Bedingungen verändern! Informieren Sie sich bei den Anbietern digitaler Dienste in Ihrem Auto über Datenerhebungs- und Datenverarbeitungsvorgänge. Sie finden diese im Kleingedruckten: In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) und der Datenschutzerklärung. Informieren Sie sich auch auf der Webseite des Herstellers oder Anbieters über mögliche Neuerungen oder Änderungen (Firmware-Updates).

Hintergrund: Was ist vernetztes Fahren?

Vernetzte Fahrzeuge sind Autos, die über das Internet mit anderen Fahrzeugen und der Umwelt (z.B. vernetzte Ampeln und Straßenschilder) verbunden sind und so Informationen über Straßenverhältnisse, die aktuelle Verkehrssituation oder vorhandene Baustellen austauschen. Dadurch stehen Fahrern verschiedene digitale Dienste und Anwendungen im Auto zur Verfügung, die diese nutzen können, um das Fahren sicherer, komfortabler oder effizienter zu gestalten. Solche digitalen Dienste und Anwendungen sind entweder schon im Auto verbaut oder können über das Verbinden eines mobilen Gerätes - wie eines Smartphones - mit dem Auto genutzt werden.

Insgesamt ist die Mehrheit der Befragten (67 Prozent) sehr interessiert am Thema. Und viele sind bereits vernetzt unterwegs: 42 Prozent der Befragten nutzen digitale Dienste im Auto - besonders häufig Navigationsdienste und Fahrerassistenzsysteme. Grundsätzlich vertrauen zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) "voll und ganz" (28 Prozent) oder "eher" (40 Prozent) darauf, dass Anbieter von digitalen Diensten und Anwendungen im Auto hohe Datenschutzstandards beachten.

Methodik: Die Erhebung erfolgte mittels Online-Interviews anhand eines strukturierten Fragebogens. Befragt wurde eine repräsentative Stichprobe deutschsprachiger Personen ab 17 Jahren, die mindestens selten Auto fahren oder es für mindestens "eher wahrscheinlich" halten, dass sie zukünftig Auto fahren werden. Insgesamt konnten somit 1000 Personen befragt werden. Die Befragung erfolgte im Zeitraum zwischen dem 30.11. - 09.12.2016. Durchführendes Institut: mindline media GmbH. Statistische Fehlertoleranz: max. +/- 3 Prozentpunkte.

Weitere Informationen zur Befragung finden Sie hier.