Prämiensparen: Bayerischen Sparern droht Verjährung zum Jahresende

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Bei tausenden Prämiensparverträgen bayerischer Sparkassen können Ansprüche auf Zinsnachzahlung bald verjähren. Wen das betrifft und was man tun kann, erfahren Sie hier.
Passt Ihr Fall zur Klage?
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Was droht wann zu verjähren?

Im Jahr 2019 haben die bayerischen Sparkassen damit begonnen, langlaufende Sparverträge (Prämiensparen flexibel) zu kündigen und die auszuzahlenden Zinsen zu berechnen. Viele dieser Verträge enthalten Klauseln zur Zinsanpassung, die nach Ansicht des Bundesgerichtshofes rechtswidrig sind. In der Folge wurden nach Ansicht der Verbraucherzentrale Bayern die Kunden bei der Anpassung der Zinsen benachteiligt, indem ihnen zu wenig Zinsen gutgeschrieben wurden.

Wichtig zu wissen ist, dass Ansprüche der Kundinnen und Kunden auf Zinsnachzahlung der Verjährung unterliegen. Nach drei vollen Kalenderjahren ab wirksamer Kündigung des Sparvertrages kann sich das Kreditinstitut auf Verjährung berufen und so möglichen Nachzahlungen entgehen.

Behalten Sie unbedingt im Blick, wann Ihr Anspruch verjährt!

Sollte Ihr Sparvertrag im Jahr 2019 gekündigt worden sein, droht mit Ende des Jahres 2022 eine Verjährung der Ansprüche einzutreten.

Wer muss jetzt tätig werden? Wer ist (noch) nicht betroffen?

Betroffen sind erst einmal alle, die im oben genannten Zeitrahmen eine Kündigung ihres Sparvertrages erhalten haben. Hiervon ausgenommen sind Sparer, die sich bisher einer der Musterfeststellungsklagen der Verbraucherzentrale gegen die Sparkassen in München oder Nürnberg angeschlossen haben. Durch diese Klagen wird die Verjährung für alle, die sich dort angemeldet haben, bereits gehemmt. Gleiches gilt für diejenigen, die selbst ein Klageverfahren gegen ihre Sparkasse führen.
Verbraucher, deren Verträge noch laufen, müssen keine Verjährung befürchten.

Welche Möglichkeiten gibt es?

  • Schriftlichen Verjährungsverzicht einholen

Sie können Ihre Sparkasse kontaktieren, mit dem Ziel, dass diese schriftlich erklärt, auf die Einrede der Verjährung zu verzichten. Und zwar so lange, bis die offenen Rechtsfragen zur konkreten Zinsberechnung höchstrichterlich geklärt sind. Eine Entscheidung über die Nachzahlung wird damit verschoben.

  • Schlichtungsverfahren einleiten (Ombudsmann)

Sie können ein Verfahren vor einer staatlich anerkannten Schlichtungsstellen einleiten. Damit wird die Verjährung der Zinsnachzahlung für die Zeit ab Antragsstellung bis sechs Monate nach Beendigung des Verfahrens gehemmt. Wer sich für diesen Weg entscheidet, gewinnt Zeit, erreicht aber keine dauerhafte Lösung. Die zuständige Schlichtungsstelle für die Sparkassen ist die Schlichtungsstelle des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes.

  • Individualklage vor Gericht

Sie haben die Möglichkeit mit Hilfe eines Rechtsanwaltes eine individuelle Klage gegen die Bank oder Sparkasse einzureichen. Dabei ist zu beachten, dass Prozess-, Anwalts- und Gutachterkosten für Sie entstehen können, für den Fall, dass sie den Prozess verlieren. Dieser Weg empfiehlt sich daher besonders für Betroffene, die eine Rechtschutzversicherung haben. Die Verjährung der Ansprüche ist gehemmt, sobald die Klage erhoben wird.

  • Klage in Streitgenossenschaft

Sie können sich mit anderen betroffenen Sparenden ihrer Sparkasse zusammenschließen und dabei eine sogenannte Streitgenossenschaft bilden. Gemeinsam können Sie dann die Nachzahlung der Zinsen gerichtlich einfordern. Das Kostenrisiko kann dabei minimiert werden und für die einzelnen Beteiligten wird es insgesamt günstiger. Denn: Bei höheren Streitsummen fallen die Verfahrenskosten relativ niedriger aus. So werden auch die Gutachterkosten auf alle verteilt, die man sonst alleine tragen müsste. Anwaltskanzleien, die eine solche Bündelung von Verbraucheransprüchen gegen bayerische Sparkassen erreichen möchten, finden Sie etwa hier: www.sammelklage-sparvertrag.de  Auch Klagen in Streitgenossenschaft sind nicht risikolos und zu den möglichen Erfolgsaussichten und Kosten sollte man sich unbedingt anwaltlich beraten lassen. 

Sie haben weitere Fragen? Unser Infotelefon ist jeden Dienstag von 9 bis 12 Uhr unter (089) 55 27 94 200 zum Ortstarif zu erreichen.