Fidor Bank abgemahnt: Unangemessene Mahnkosten für Kurzzeitkredit

Stand:

Wegen unzulässiger AGB und unverhältnismäßig hohen Mahnkosten haben die Marktwächter aus Sachsen die Fidor Bank AG erfolgreich abgemahnt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Für das Kurzzeitkreditangebot "Geldnotruf" verwendete die Fidor Bank unzulässige AGB und unverhältnismäßig hohe Mahnkosten.
  • Die Marktwächter aus Sachsen haben die Fidor Bank deswegen erfolgreich abgemahnt.
  • Das Kreditinstitut hat daraufhin eine Unterlassungserklärung abgegeben und sichert zu, die beanstandeten Klauseln nicht mehr zu verwenden.
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Kurzzeitkredite sind kleine Darlehen, mit denen Sie finanzielle Engpässe für maximal zwei Monate überbrücken können. Beim Kurzzeitkredit "Geldnotruf" der Fidor Bank handelt es sich um einen Minikredit, der auch über das gemeinsame Online-Banking-Angebot des Mobilfunkanbietmarers O2 genutzt werden kann. Mit dem "Geldnotruf" können Sie zunächst 100 Euro für 30 Tage beantragen. Nach erfolgreicher Rückzahlung verdoppeln sich Auszahlungsbetrag und Laufzeit.

Unzulässige Geschäftsbedingungen und hohe Kosten

In den AGB zum Kurzzeitkredit der Fidor Bank stand zudem, dass vertragliche Leistungsbestimmungen wie die Höhe der Geldbeträge bei laufenden Verträgen einseitig geändert werden können. Das Kreditinstitut räumte sich auch das Recht ein, die Entgelte des Produktes nach Belieben anzupassen.

Die effektiven Jahreszinsen des Produktes liegen zwischen 72 Prozent im Jahr beim 30-tägigen Initial-Notruf und bei 18,09 Prozent im Jahr für nachfolgende Geldnotrufe mit einer Zahlungsfrist von zwei Monaten. Da die Angebote innerhalb einer kurzen Laufzeit gewährt werden, liegen die fixen Kosten bei beiden Varianten damit bei 6,00 Euro. Auch wenn die reinen Produktkosten nicht Teil der Abmahnung waren, sind sie verhältnismäßig hoch. Gemessen an den teuersten Dispositionskrediten am Markt fielen bei gleicher Laufzeit und Verfügung deutlich weniger Kosten an.

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Unangemessene Mahn- und Servicegebühren

Auch die Mahn- und Servicekosten des Angebotes "Geldnotruf" waren verhältnismäßig hoch. Die Fidor Bank verlangte 

  • 3,00 Euro für den ersten "Überfälligkeits-Alert",
  • 3,00 Euro für die anschließende "Zahlungserinnerung" und
  • 3,00 Euro für die "letzte Mahnung".

Durch die kurze Dauer des Kredites hätten sich die Gesamtmahnkosten damit innerhalb weniger Tage auf 9,00 Euro belaufen können. Damit hätten diese Mahn- und Servicegebühren den zu erwartenden Schaden um das Dreifache überstiegen, was aus unserer Sicht unverhältnismäßig hoch ist und gegen geltendes Recht verstößt.

Fidor Bank deckelt Mahngebühren auf Nachdruck

Die Fidor Bank hat mittlerweile reagiert und in mehreren Schritten eine vollumfängliche Unterlassungserklärung abgegeben. Die Bank sichert zu, die beanstandeten Klauseln nicht mehr zu verwenden sowie die Mahnkosten auf maximal 3,00 Euro zu deckeln. Diese Verpflichtung gilt für Neuverträge, die ab dem 16.11.2018 geschlossen werden.

Wichtig! Kurzzeitkredite oder sogenannte Payday Loans decken nur den momentanen Bedarf. Sie müssen nach sehr kurzer Laufzeit zurückgezahlt werden. Fehlt das Geld dann an anderer Stelle, ist die Gefahr groß weitere Verbindlichkeiten aufzunehmen.