Brexit: Was bedeutet das für Verbraucher?

Stand:

In Sachen "Brexit" ist derzeit noch alles in Bewegung und das Ergebnis offen. Die wichtigsten Fragen und Antworten für alle, die einen Urlaub planen, Online-Käufe in Großbritannien tätigen oder Wertpapiere dort besitzen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Urlaub, Online-Shopping, Geldgeschäfte: Mit dem bevorstehenden Brexit werden sich auch Verbraucherrechte von Deutschen in Großbritannien ändern. Und das recht zügig, wenn kein Abkommen mit der EU zustande kommt.
  • Bei Online-Einkäufen drohen zum Beispiel Steuern und Zoll. Bei Aufenthalten in Großbritannien ist eine Auslandsreisekrankenversicherung wichtiger denn je.
  • Wir stellen mögliche Konsequenzen eines Brexits ohne Deal vor. Wir aktualisieren diesen Artikel stets, sobald sich etwas Neues ergibt.
Ein Puzzle mit Europafsternen und britischer Fahne
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Großbritannien soll die EU verlassen – aber die Verhandlungen über das "Wie" nehmen noch kein Ende. Die beiden haben inzwischen zwar eine Einigung vorbereitet, die nun wiederum aber im britischen Parlament bestätigt werden muss. Am 12. Dezember 2019 haben in dem Land Neuwahlen stattgefunden, jetzt kann sich das neu gewählte Unterhaus mit dem Brexit beschäftigen.

Im Ungewissen sind damit auch alle Verbraucher, die Geschäfte mit Unternehmen in Großbritannien abgeschlossen haben oder planen. Die wahrscheinlichsten Optionen:

  1. Der Brexit findet spätestens am 31. Januar 2020 statt – und zwar mit der nachverhandelten Variante des Austrittsabkommens. Das wäre für Verbraucher beiderseits des Ärmelkanals die beste Möglichkeit, denn: Durch die Übergangsregelungen ändert sich dann zumindest bis zum 31. Dezember 2020 erst einmal nichts.
     
  2. Oder Großbritannien könnte sich einen Aufschub bei der EU erbitten – die Entscheidung also über den 31. Januar 2020 hinaus noch einmal verschieben. Dann ändert sich zwar erst einmal nichts, der nächste Stichtag liegt aber eventuell auch nicht viel weiter in der Zukunft.
     
  3. Es kann am 31. Januar auch immer noch zum so genannten "No-Deal-Brexit" kommen, also dem Austritt der Briten aus der EU ohne Abkommen. Für alle Beteiligten wäre das mutmaßlich die schlechteste Option. Dann wäre von einem Tag auf den anderen nichts mehr wie vorher.
     

Wer Urlaub plant, online bei Händlern aus Großbritannien einkauft oder Geschäfte mit dortigen Banken hat, sollte vor allem Folgen des dritten Szenarios bedenken.

Bei der Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit von Medikamenten wird es durch einen No-Deal-Brexit zu keinen Änderungen kommen. Die Europäische Arzneimittelagentur hat ihren Hauptsitz von London nach Amsterdam verlegt. Vorübergehende Engpässe bei der Versorgung mit bestimmten Arzneimittel durch einen No-Deal-Brexit sind unwahrscheinlich, aber denkbar. Solche Engpässe sind leider immer wieder zu beobachten. Die EU-Kommission, die Europäische Arzneimittelaufsicht sowie die nationalen Regulierungsbehörden werden die Situation nach einem No-Deal-Brexit sehr genau beobachten und gegebenenfalls betroffene Patienten und Ärzte beraten.

Wenn es geht, erledigen Sie Angelegenheiten in Großbritannien möglichst vor dem 31. Januar 2020. Alles ist offen.

Deshalb aktualisieren wir diesen Artikel zu den Folgen eines Brexits ohne Deal stets, sobald sich etwas Neues ergibt.

Kostenlose Hotline der EU

Wer Fragen hat, wie man sich auf ein No-Deal-Szenario vorbereiten kann, die hier nicht beantwortet werden, kann sich an "Europe Direct" wenden. Das ist ein Informationsangebot der EU-Kommission. "Europe Direct" ist erreichbar unter der gebührenfreien Nummer 00 800 6 7 8 9 10 11 von überall in der EU und in jeder Amtssprache der EU.

Die EU hat außerdem Info-Materialien erstellt:

Ursprünglich war ein geregelter Austritt Großbritanniens bis zum 29. März 2019 vorgesehen. Aktuell ist aber nach mehreren Fristverlängerungen nun das Datum 31. Januar im Spiel. Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) kritisiert, dass für Verbraucher auf beiden Seiten des Ärmelkanals diese Rechtsunsicherheit nicht mehr tragbar ist:

"Ein Austritt ohne Abkommen würde nicht nur die Wirtschaft schädigen, sondern auch Verbraucher im Regen stehen lassen. Viele Verbraucher planen bereits ihren Osterurlaub. Sie brauchen dringend Klarheit darüber, welche Regeln dann gelten werden und ob sie bei einem Urlaub in Großbritannien noch auf ihre gewohnten Rechte vertrauen können. Großbritannien muss jetzt Verantwortung übernehmen und alles dafür tun, dass es einen geregelten Austritt gibt. [...]"

Was Sie bei Reisen bedenken sollten

Für die meisten Reisenden wird selbst ein No-Deal-Brexit nicht bedeuten, dass ein Urlaub in Großbritannien ausfällt. Die britischen Reiserechte entsprechend weitgehend denen der EU und gelten, bis das Land neue Regeln eingeführt hat. Nach einem Brexit wird das eine Weile dauern. Dennoch gibt es einige Unsicherheiten, insbesondere bei der Frage nach einem Einreisevisum, bei Busreisen, Krankheit im Ausland, Roaming sowie Reisen mit britischen Pauschalanbietern.

Ich habe eine Reise nach Großbritannien gebucht. Was benötige ich für die Einreise?

Bisher benötigen Sie als EU-Bürger für die Einreise nach Großbritannien einen gültigen Personalausweis oder Reisepass und Sie müssen auch durch die Grenzkontrolle, weil Großbritannien bisher zwar noch Mitglied der EU, aber nicht Mitglied des Schengener Abkommens ist.

Ob EU-Bürger nach einem No-Deal-Brexit ein Visum für Großbritannien benötigen werden, ist noch unklar. Die EU-Kommission hat der britischen Regierung vorgeschlagen, dass britische Bürger bis zu 90 Tagen ohne Visum in die EU reisen dürfen – wenn dasselbe umgekehrt auch für EU-Bürger in Großbritannien gilt. Eine Antwort steht aus. Auch ob man in Zukunft einen Reisepass brauchen wird, ist noch unklar.

Erkundigen Sie sich vor dem Antritt Ihrer Reise darüber, wie der Grenzübertritt geregelt ist und welche Dokumente Sie brauchen. Ein Anlaufpunkt dafür ist das Auswärtige Amt.

Was passiert, wenn ich auf der Reise in Großbritannien krank werde?

Die Europäische Krankenversicherungskarte wird in Großbritannien nach einem Austritt aus der EU nicht mehr gültig sein. Bitte prüfen Sie vor der Reise die Bedingungen für die Erstattung von Kosten für medizinische Notfälle in Nicht-EU-Ländern bei Ihrer Krankenversicherung.

Eine Auslandsreisekrankenversicherung sollten Sie für Reisen grundsätzlich immer haben – die springt außerhalb der EU ein, wenn Sie krank werden. Außerdem übernimmt sie bei Reisen in alle Länder – egal ob EU oder nicht – weitere Kosten, für die eine Krankenkasse nicht einsteht (z.B. Rücktransport). Tarife und Kosten hat die Stiftung Warentest verglichen.

Welchen Schutz habe ich, wenn ich in Großbritannien einkaufe?

Vor teureren Einkäufen im Großbritannien-Urlaub sollten Sie sich gut überlegen: Wäre der finanzielle Schaden für Sie zu groß, falls die Ware defekt ist? Der Hintergrund: Wenn Sie in Großbritannien etwas einkaufen, gilt britisches Recht. Wenn Sie in der Europäischen Union einkaufen, genießen Sie mit deren Regelungen einen Mindestschutz auf recht hohem Niveau. Sind gekaufte Geräte zum Beispiel defekt und funktionieren daheim nicht, können Sie davon ausgehen, dass Ihnen der Händler ähnliche Rechte einräumen muss, wie ein Händler in Deutschland. Nach einem No-Deal-Brexit würde dieser Mindestschutz allerdings für Einkäufe in Großbritannien wegfallen. Sie wären zwar noch durch britisches Recht geschützt - das muss aber nicht gleich gut sein.

Außerdem geht ein Streit um Einkäufe in Großbritannien vor dortige Gerichte. Das kann ein mühsamer Weg sein, der durch einen Brexit vermutlich nicht leichter wird.

Was erwartet mich mit Einkäufen an der Grenze?

Sobald Großbritannien kein EU-Land mehr ist und es keine eigene Regelung für den Warenverkehr gibt, werden an der Grenze Zölle fällig. Was Sie noch ohne Kosten mitnehmen dürfen oder wie teuer im Ausland gekaufte Waren an der Grenze werden, kommt darauf an – unter anderem, um welche Waren es sich handelt und welche Mengen Sie mitnehmen.

Mit dem Schiff und Flugzeug z.B. wären dann viele Waren im Wert von 430 Euro zollfrei, mit dem Auto nur 300 Euro. Spezielle Warengrenzen gäbe es auch bei Tabak und Alkohol.

Ich habe eine Reise mit dem Flugzeug nach Großbritannien gebucht. Wird es zu Problemen kommen?

Nach derzeitigem Stand sollte es im Flugbetrieb nicht zu größeren Störungen kommen. Die EU hat Notfallmaßnahmen vorbereitet, die dann greifen, wenn es zu einem No-Deal-Brexit kommt, und die dafür sorgen, dass Flugzeuge nicht am Boden bleiben müssen. Eine Garantie dafür, dass ausnahmslos alle Flüge abheben können, ist das jedoch nicht. Erkundigen Sie sich vor Abflug bei Ihrer Airline.

Wenn Sie Flüge mit einer EU-Fluglinie von oder nach Großbritannien gebucht haben, kommen Sie auch nach einem möglichen Brexit automatisch in den Genuss aller EU-Fluggastrechte. Das gilt auch für britische Fluglinien, wenn Sie in der EU abheben. Die einzige Ausnahme ist: Fliegen Sie mit einer britischen Fluggesellschaft (z.B. British Airways) und startet der Flug in Großbritannien, gelten für Sie nach einem No-Deal-Brexit nur die britischen Fluggastrechte. Die sind mit den EU-Regeln zunächst identisch – Großbritannien kann sie für die Zukunft aber verändern.

Große Verspätungen, die Annullierung eines Fluges oder Nichtbeförderung zum Zielflughafen sind immer ein großer Ärger – Sie stehen aber auch nach einem No-Deal-Brexit vermutlich erst einmal nicht schlechter da als bisher.

Ich habe eine Zugreise gebucht. Sind Schwierigkeiten zu erwarten?

Auch für den Zugverkehr hat die EU Notfallpläne ausgearbeitet, damit der Zugverkehr zwischen der EU und Großbritannien nach einem No-Deal-Brexit nicht eingestellt werden muss. Eine Garantie dafür, dass ausnahmslos alle Züge fahren können, ist das jedoch nicht. Erkundigen Sie sich vor Abreise bei Ihrem Bahnunternehmen.

Auf dem Abschnitt Ihrer Reise, der durch EU-Länder führt, sind Sie bei Verspätungen und Zugausfällen durch die EU-Rechte für Fahrgäste im Eisenbahnverkehr geschützt. Die britischen Fahrgastrechte schützen Sie während Ihrer Reise durch Großbritannien.

Beispiel: Sie haben ein Eurostar-Ticket von Amsterdam nach London gebucht. Falls Ihr Zug ausfällt, können Sie für den Reiseabschnitt in der EU eine Ausgleichszahlung gemäß den EU-Fahrgastrechten erhalten. Für den restlichen Teil Ihrer Reise können Sie einen Ausgleich nach den britischen Fahrgastrechten verlangen. Das gilt umgekehrt genauso für Reisen von Großbritannien in die EU. Am besten verlangen Sie bei der Bahngesellschaft eine Rückerstattung der Ticketkosten.

Bei Bahnreisen innerhalb von Großbritannien kommen ausschließlich die britischen Fahrgastrechte zur Anwendung – auch dann, wenn Sie das Ticket in der EU gekauft haben.

Wie sieht es bei einer Bus-Reise aus?

Notfallpläne der EU sollen dafür sorgen, dass EU-Busunternehmen auch nach einem Austritt ohne Abkommen weiterhin nach/in Großbritannien fahren können. Eine Garantie dafür, dass ausnahmslos alle Busverbindungen durchgeführt werden, ist das jedoch nicht. Erkundigen Sie sich vor Abreise bei Ihrem Busunternehmen.

Auf dem Abschnitt Ihrer Reise, der durch EU-Länder verläuft, schützen Sie bei Verspätungen und Ausfällen die EU-Fahrgastrechte. Für den Reiseabschnitt in Großbritannien gelten die entsprechenden britischen Rechte. Diese Rechte sind vorerst mit denen der EU identisch, können zukünftig aber von den EU-Fahrgastrechten abweichen.

Ich möchte mit dem Auto nach Großbritannien fahren – was erwartet mich hier?

Als Reisender ist Ihr Führerschein in Großbritannien gültig. Klären Sie mit Ihrer Versicherung vor der Fahrt, ob Ihre Police eine Fahrt nach Großbritannien abdeckt und ob Sie einen Versicherungsnachweis mit sich führen müssen, zum Beispiel die Grüne Versicherungskarte.

Wer mit der Fähre übersetzt, den schützen die EU-Fahrgastrechte, wenn die Verbindung von einem EU-Hafen nach Großbritannien verspätet ist oder ausfällt, und wenn Sie anders herum mit einer EU-Fährgesellschaft von Großbritannien zu einer EU-Destination reisen. Ansonsten ist es wie bei den Flügen: Falls Sie mit einer britischen Gesellschaft fahren und von einem britischen Hafen starten, gilt der Schutz durch die britischen Fahrgastrechte. Diese Rechte sind vorerst mit denen der EU identisch, können zukünftig aber von den EU-Fahrgastrechten abweichen.

Steht bei Pauschalreisen weiterhin mein Veranstalter bei Problemen ein?

Wenn Probleme auftreten, z.B. falls das Hotel Konkurs anmeldet, haben Sie Anspruch auf Rückerstattung der Reisekosten, falls Sie die Pauschalreise über eine Reiseagentur mit Sitz in der EU gebucht haben. Das ändert sich auch mit einem Brexit nicht.

Anders sieht es in einem Spezialfall aus: Falls Sie Ihre Pauschalreise bei einem britischen Reiseveranstalter buchen, der Sie nicht direkt als Zielgruppe anspricht (d.h. es gibt beispielsweise keine Werbung oder Website in Ihrer Sprache), sind Sie nicht durch EU-Rechte geschützt. Dann müssen Sie gegebenenfalls eine zusätzliche Versicherung abschließen.

Roaming: Muss ich in Großbritannien für Telefonieren und Surfen zahlen?

Telefonieren, SMS und im Internet surfen – all das darf seit Mitte 2017 in der EU nicht mehr kosten als daheim. Mit dem Brexit droht das für Großbritannien zu kippen. Ihr Mobilfunkanbieter könnte für die Handynutzung dort dann wieder Aufpreise verlangen.

Welche Anbieter im Falle eines No-Deal-Brexits wieder Aufschläge kassieren, ist unklar. Unser Tipp: Erkundigen Sie sich kurz vor der Reise. Schalten Sie im Zweifel die Übertragung von mobilen Daten aus und nutzen Sie das Handy möglichst wenig zum Telefonieren, für SMS und mobiles Internet ohne WLan-Verbindung.

Habe ich im Urlaub Zugriff auf Streamingdienste und digitale Bücher?

Unter Umständen werden Sie keinen oder nur eingeschränkten Zugriff auf Ihre Inhalte bei Onlinediensten wie Spotify, Netflix oder Kindle haben, wenn Sie nach Großbritannien reisen.

Drohen bei einer Zahlung per Kreditkarte Zusatzkosten?

Es sollten keine zusätzlichen Kosten anfallen, da Großbritannien weiterhin ebenso wie die EU Gebührenaufschläge für die Nutzung von Kreditkarten verbieten wird. Prüfen Sie sicherheitshalber die von Ihrer Bank bereitgestellten Informationen zu Zahlungsbedingungen im Ausland und bezahlen Sie stets in der Landeswährung – auch wenn Ihnen die Sofortumrechnung vor Ort angeboten wird. Dann ist der Wechselkurs schlechter als derjenige, den Ihnen Ihre Kreditkartenfirma anbietet.

Wird mein gebuchter Urlaub teurer?

Wenn das Pfund gegenüber dem Euro im Wert fällt – was bei einem Brexit nicht unwahrscheinlich ist – könnte der Urlaub in Großbritannien sogar günstiger werden. Was Sie noch nicht vorab gezahlt haben, unterläge dann plötzlich einem für Sie günstigeren Wechselkurs. Soll ein Hotel z.B. 500 Pfund kosten, zahlen Sie dafür nach aktuellem Wechselkurs etwa 580 Euro. Ändert sich der Wert des Pfunds, sind Verschiebungen um etliche Euro möglich.

Bei den Wechselkursen ist ein Brexit-Risiko aber vermutlich bereits eingepreist. Große Sprünge sind damit kaum zu erwarten, aber denkbar.

In die Kosten eines Auslandsurlaubs spielen auch andere Faktoren hinein. So könnten die Preise für bestimmte Lebensmittel in Großbritannien nach einem No-Deal-Brexit zeitweise schwanken.


 

Was Sie bei Online-Einkäufen bedenken sollten

Wenn Sie im Internet bei einem Verkäufer aus Großbritannien einkaufen, sollten Sie jetzt Folgendes bedenken:

Für Sie gelten zwar auch bei Einkäufen außerhalb der Europäischen Union diverse EU-Verbraucherschutzrechte: Sie können zum Beispiel das gekaufte Produkt binnen 14 Tagen zurückgeben und haben Anspruch auf Rückerstattung des Kaufpreises. Sie genießen weiterhin Anspruch auf mindestens zwei Jahre Gewährleistung auf Ihr Produkt. Und Sie sind gegen unlautere Geschäftspraktiken wie zum Beispiel Werbung mit falschen Preisen geschützt.

Aber Achtung: Es kann sehr mühsam sein, diese Rechte außerhalb der Europäischen Union bei einem Streit vor Gerichten durchzusetzen. Denn neben einem deutschen Gericht, das nach hiesigen Regelungen für Sie entscheiden mag, muss dann immer auch ein britisches Gericht eingeschaltet werden, das noch einmal prüft - und nach britischem Recht vielleicht zu einem anderen Schluss kommt. Aktuell gibt es in Großbritannien noch Widerrufsrechte - nach einem Austritt aus der EU kann Großbritannien solche Normen allerdings anders gestalten.

Im Falle eines Konfliktes zwischen Verbrauchern und in Großbritannien niedergelassenen Händlern können Verbraucher künftig außerdem nicht mehr die EU-Plattform für Online-Streitbeilegung nutzen. Denn wenn Großbritannien ohne Abkommen aus der EU austritt, gilt die EU-Vorschrift über außergerichtliche Streitbeilegung und Online-Streitbeilegung für Großbritannien nicht mehr.

Bei teureren Online-Einkäufen sollten Sie sich also tatsächlich gut überlegen, ob Sie bei Händlern außerhalb der Europäischen Union bestellen. Falls Sie Fragen oder Bedenken haben, können Sie sich an Ihre Verbraucherzentrale wenden.

Werden Einkäufe mit einem Brexit plötzlich teurer?

Mit einem No-Deal-Brexit können plötzlich Zoll und Einfuhrumsatzsteuer auf Sie zukommen. Bis 22 Euro Warenwert passiert das nicht. Zwischen 22 und 150 Euro muss die Steuer gezahlt werden, darüber Zoll. Fällige Abgaben müssten Sie beim Postboten bezahlen oder die Lieferung beim Zollamt abholen und dort bezahlen.

Außerdem: Zollkontrollen können auch dafür sorgen, dass Lieferungen deutlich später bei Ihnen ankommen. Die Beamten prüfen Warensendungen aus Nicht-EU-Staaten.

Ansonsten ist es wie bei den Kosten eines Urlaubs: Wenn das Pfund gegenüber dem Euro im Wert fällt – was bei einem Brexit nicht unwahrscheinlich ist – könnte eine Warenbestellung in Großbritannien in dieser Hinsicht günstiger werden. Was Sie noch nicht vorab gezahlt haben, unterläge dann plötzlich einem für Sie günstigeren Wechselkurs. Soll eine Ware z.B. 500 Pfund kosten, zahlen Sie dafür nach aktuellem Wechselkurs etwa 580 Euro. Ändert sich der Wert des Pfunds, sind Verschiebungen um etliche Euro möglich.

Bei den Wechselkursen ist ein Brexit-Risiko aber vermutlich bereits eingepreist. Große Sprünge sind damit kaum zu erwarten, aber denkbar.

Kann ich einen Online-Kauf widerrufen oder defekte Ware umtauschen?

Wie beschrieben: Sie können sich zwar an deutsche Gerichte wenden, die dann deutsches Rechts anwenden werden. Es kann aber in der Praxis sehr schwierig sein, sie in Großbritannien durchzusetzen, falls das Land die EU ohne Deal verlässt. Eine Vollstreckung der deutschen Urteile geht über dortige Gerichte. Das kann ein mühsamer Weg sein.

Auf EU-weite Regelungen, die beim Online-Shopping einen Mindestschutz auf recht hohem Niveau garantieren, können Sie sich nach einem Brexit ohne Deal nicht mehr verlassen.

Vor teureren Einkäufen bei Online-Händlern aus Großbritannien sollten Sie sich also gut überlegen: Wäre der finanzielle Schaden für Sie zu groß, falls die Ware defekt ist? Wollen Sie gekaufte Waren vielleicht gleich wieder zurückschicken, z.B. Schuhe, die Ihnen nicht passen?


 

Was Sie bei Geldgeschäften bedenken sollten

Falls Sie eine Versicherungspolice, einen Kredit, ein Bankkonto, eine Finanzanlage oder eine Altersvorsorge bei einem Anbieter aus Großbritannien haben, gilt auch vor einem möglichen No-Deal-Brexit vor allem: nichts überstürzen!

Insbesondere Aktienmärkte und der Wechselkurs des britischen Pfunds haben auf Ereignisse wie den angekündigten Brexit mit starken Kursschwankungen reagiert. Auch wenn der Brexit stattfindet, kann das passieren. Anleger sollten aber Geduld haben: Sie laufen mit eiligen Entscheidungen Gefahr, Geld zu verlieren.

Die Erfahrung lehrt, dass Turbulenzen an den Finanzmärkten teilweise ebenso schnell gehen wie sie gekommen sind. Turbulenzen können aber auch Jahre andauern und Verluste dauerhaft sein. Langfristige Trendänderungen kann ohnehin niemand vorhersehen.

Wer als privater Anleger wegen des Brexits übereilt Aktien, Investmentfonds und/oder andere Wertpapiere kauft oder verkauft, handelt entgegen seiner ursprünglichen, langfristigen Geldanlagestrategie. Unabhängig davon, ob diese Entscheidung sich als richtig herausstellt, kosten die Transaktionen erneut Gebühren.

Bleibt Erspartes geschützt?

Selbst bei einem No-Deal-Brexit ändert sich an der Europäischen Einlagensicherung zunächst nichts.

Liegt Ihr Erspartes bei britischen Banken, müssen Sie sich wegen eines Brexits keine Sorgen um die Absicherung machen. Sie haben auch dann weiterhin einen Anspruch nach europäischem Standard, solange die Briten keine anderweitigen Regelungen treffen. Bis auf weiteres sind auf diesem Wege schon 85.000 Pfund pro Kunde abgesichert. Dies entspricht zwar - wegen ungünstiger Wechselkurse - nicht immer der von der EU vorgegebenen Absicherung von 100.000 Euro, dürfte aber für die meisten Sparer ausreichen.

Zusätzlich sind einige in Deutschland tätige britische Banken auch Mitglieder im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken. Dabei handelt es sich um eine freiwillige Sicherungseinrichtung, die im Falle einer Pleite noch deutlich höhere Beträge absichert.

Im Zusammenhang mit dem Brexit werden einzelne britische Banken ihre Geschäftstätigkeit auf in Deutschland lizenzierte Banken übertragen. Das hat uns z.B. die Bank of Scotland angekündigt, die hierzulande recht aktiv ist. In einem solchen Fall gilt für die Kundengelder die gesetzliche deutsche Einlagensicherung und somit die Grenze von 100.00 Euro. Sollten zuvor weitergehende private Einlagensicherungssysteme bestanden haben, sollten Kunden, die mehr als 100.000 Euro angelegt haben, bei ihrem Institut erfragen, ob diese nach der Übertragung weiterhin Gültigkeit haben.

Kann mein Vertrag überhaupt weiterlaufen wie bisher, z.B. eine Lebensversicherung?

Viele britische Anbieter haben inzwischen Niederlassungen auf dem europäischen Festland – damit sie weiter in der EU Geschäfte machen können. Der Hintergrund: Britische Finanzdienstleister werden nicht mehr in der Lage sein, Dienstleistungen für Verbraucher in der EU zu erbringen, sofern sie nicht über eine Konzerngesellschaft in der EU verfügen.

Die Europäische Bankaufsichtsbehörde (EBA) hat Finanzdienstleister aufgefordert, Verbraucher zu kontaktieren, falls deren Vertrag nicht weitergeführt werden kann, angepasst oder an eine Gesellschaft in der EU übertragen werden muss. Man wird sich also bei Ihnen melden, wenn etwas zu tun ist.

Falls Ihr Finanzdienstleister Ihnen neue Geschäftsbedingungen zuschickt und um Ihre Zustimmung bittet, lesen Sie die neuen Konditionen sorgfältig durch, um sicherzugehen, dass Ihnen aus den Änderungen kein Nachteil entsteht. Falls Sie Fragen oder Bedenken haben, kann eine unabhängige Beratung sinnvoll sein – zum Beispiel bei Ihrer Verbraucherzentrale.

Was passiert mit Ratenzahlungen für einen Kredit?

Wer ein Darlehen in Pfund aufgenommen hat, kann unter Umständen Gewinn machen. Denn zu zahlende Raten würden bei einem gestiegenen Euro preiswerter – was im Fall eines Brexits nicht unwahrscheinlich ist, aber umgekehrt auch keinesfalls sicher ist.

Solche Darlehen in fremder Währung gelten aber ohnehin als mit einem sehr hohen Risiko verbunden: Schon relativ geringe Änderungen im Wechselkurs haben große Auswirkungen auf die Rendite einer Geldanlage beziehungsweise die Kosten eines Darlehens. Ein Kredit in einer Fremdwährung ist immer auch ein Glücksspiel – dabei können Sie Gewinne wie Verluste machen – abhängig davon, wie der Wechselkurs sich dauerhaft entwickelt.