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Fleisch und Geflügel

Fleischeinkauf - Gewusst wo

Fleisch ist nicht gleich Fleisch. Fleisch wird vielfach als anonyme Massenware angeboten. Informationen, wie das Fleisch produziert wurde, sind in der Regel dürftig – dabei sind die Erzeugungsbedingungen selbst von Rind zu Rind und von Schwein zu Schwein sehr unterschiedlich. Das hat vielfältige Auswirkungen, z.B. auf die Genussqualität des Fleisches, aber auch auf das Wohlbefinden der Tiere, die Umwelt und nicht zuletzt auf die Lebensmittelsicherheit. Mit Ihrem Einkauf entscheiden Sie also nicht nur über die Qualität Ihrer Mahlzeit.
Fleisch wird teilweise unter Markennamen, mit besonderen Siegeln oder Zeichen angeboten. Liegen diesen Zeichen spezielle Richtlinien zu Grunde, so spricht man von Markenfleischprogrammen. Jedes Markenfleischprogramm hat seine individuellen Besonderheiten, daher sind sie kaum vergleichbar. Jedoch betonen die Produktionsrichtlinien meist gewisse Aspekte stärker als andere. Dies hat die Verbraucherzentrale dazu genutzt, die Marken in bestimmte Erzeugungsschwerpunkte einzuteilen.

Ihr Einkaufs-Check
Fleischmarken und ihre Schwerpunkte

Ihr Einkaufs-Check


Jeder Mensch hat seine eigene Vorstellung, was er beim Fleischeinkauf besonders schätzt. Einer möchte einen besonderen Geschmack, einem anderen ist der Tierschutz besonders wichtig, ein Dritter möchte gerne Bio-Fleisch…
Was ist Ihnen wichtig? Machen Sie Ihren ganz persönlichen Einkaufs-Check – wir führen Sie zu "Ihren" Marken.

Geschmack
Regionalität
Kontrollen
Futter- und Arzneimittel
Tierschutz

Geschmack
Der Geschmack oder auch Genusswert von Fleisch wird durch viele Faktoren beeinflusst. Besonders wichtig sind u.a. Auswahl der Rassen sowie Fütterung und Haltung der Tiere. Langsameres Wachstum und dadurch verlängerte Mastzeiten fördern die Fleischmarmorierung, also die ganz feinen, über das ganze Fleisch verteilten Fettäderchen, die über Zartheit und Geschmack bestimmen.
Anhand bestimmter Messwerte lassen sich aber auch nach der Schlachtung noch weniger gute Fleischqualitäten aussortieren. Hohe Genussqualität bieten insbesondere viele Marken mit den Erzeugungsschwerpunkten: Kontrollierte Qualität, Extensive Erzeugung und Besonders tiergerechte Erzeugung.

Regionalität
Wollen Sie genauer wissen, wo Ihr Fleisch herkommt? Möchten Sie, dass das Fleisch möglichst aus Ihrer Nähe stammt und Sie sich selbst ein Bild davon machen können, wie es produziert wird? Sie unterstützen damit die heimischen Betriebe und tragen zur Vermeidung unnötiger Transporte bei.
Weitere Informationen finden Sie unter Regionale Herkunft.

Kontrollen
Kontrollen sind fraglos wichtig, gerade wenn man an die zahlreichen Fleischskandale der letzten Jahre denkt. Doch bei welchen Marken und Siegeln verdient die Kontrolle diesen Namen tatsächlich? Ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Markenfleischprogrammen ist eine glaubwürdige Kontrolle vom Acker bis zum Teller.
Dies bieten die Marken mit den Erzeugungsschwerpunkten Kontrollierte Qualität und Ökologische Erzeugung.

Futter- und Arzneimittel
Sind Sie besorgt über mögliche Arzneimittelrückstände und über "Gen-Futter"? Kranke Tiere müssen natürlich mit Medikamenten behandelt werden. Arzneimittelrückstände im Fleisch sind aber unerwünscht. Auch "Gen-Futter" für die Tiere ist nicht jedermanns Sache, ebenso wenig wie Fischmehl fürs Federvieh. Manch ein Markenfleischprogramm verwendet daher in der Hauptsache hofeigenes Futter. Bestimmte Arznei- und Futterstoffe sind bei bestimmten Marken tabu.
Dies gilt überwiegend für Marken mit den Erzeugungsschwerpunkten Extensive Erzeugung, Besonders tiergerechte Erzeugung und Ökologische Erzeugung.

Tierschutz
"Keine Qualität ohne Tierschutz", meinen Sie? Tiergerechte Haltung bedeutet viel Platz, Licht und Luft für die Tiere, am besten zusätzlich Auslauf. Im Stall sollen die Tiere auf Stroh liegen dürfen. Einstreulose Haltungen mit Spaltenböden sind zwar arbeitssparend, aber wenig tiergerecht. Ist Ihnen eine tiergerechtere Haltung wichtig, müssen Sie allerdings tiefer in die Tasche greifen, als wenn es Ihnen lediglich auf konsequentere Kontrolle ankommt.
Tiergerechtere Haltung spielt hier eine große Rolle: Extensive Erzeugung, Besonders tiergerechte Erzeugung und Ökologische Erzeugung.

Fleischmarken und ihre Schwerpunkte


Um Ihre Kaufentscheidung an der Ladentheke zu erleichtern wurden die verschiedenen Marken in fünf Erzeugungsschwerpunkte eingeteilt. Grundlage hierfür waren die schriftlichen Richtlinien der Anbieter. Eine Überprüfung der Praxis wurde nicht vorgenommen.



Kontrollierte Qualität
Regionale Herkunft
Extensive Erzeugung
Besonders tiergerechte Erzeugung
Ökologische Erzeugung

Kontrollierte Qualität
Programme mit Qualitätssicherung und -kontrolle vom Futtertrog bis zur Ladentheke. Alle Betriebe unterliegen einer umfangreichen Dokumentationspflicht und Eigenkontrolle. Dabei finden auch Prüfungen auf Rückstände, unerwünschte Keime und die Fleischqualität statt. Die Betriebe werden zusätzlich durch unabhängige Organisationen kontrolliert.
Ihr Nutzen: Die gesetzlichen Vorgaben werden besser eingehalten und mögliche Fehler verringert. Falls dennoch Probleme auftauchen, kann die Dokumentation zu einer schnelleren Ermittlung und Beseitigung der Ursachen beitragen. Diese Programme leisten somit einen Beitrag zu einer höheren Lebensmittelsicherheit.

Regionale Herkunft
Programme mit Mast und Schlachtung der Tiere innerhalb derselben Region, möglichst auch mit regionalen Futtermitteln. Dabei handelt es sich teilweise um kleine Initiativen zur Regionalvermarktung mit lokaler Bedeutung. Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Regional- und Direktvermarkter, die Sie bei Landwirtschaftskammern oder Bauernverbänden oder häufig auch bei Ihrer Stadt- bzw. Kreisverwaltung erfragen können.
Ihr Nutzen: Kurze und möglichst direkte Lieferbeziehungen zwischen Erzeugern, Verarbeitern und Vermarktern innerhalb des Bundeslandes oder sogar in Ihrer Heimatregion erhöhen die Transparenz und Sicherheit. Sie können sich einen eigenen Eindruck von den Produzenten und ihrer Arbeit verschaffen. Der Kauf regionaler Produkte unterstützt die Betriebe vor Ort und erhält Arbeitsplätze in der Region. Kurze Transportwege bedeuten weniger Stress für die Tiere und bessere Fleischqualität sowie geringere Umweltbelastungen.

Extensive Erzeugung
Programme mit weniger intensiver Haltung als üblich: Alle Tiere erhalten mehr Platz im Stall. Bei Rindern und Schweinen ist die Liegefläche mit Stroh eingestreut. Nicht eingestreute Flächen mit Spalten befinden sich allenfalls im Fress- und Kotbereich der Tiere ("Teilspaltenboden"). Besonderheit der extensiven Geflügelhaltung ist neben dem größeren Platzangebot die verlängerte Mastdauer.
Ihr Nutzen: Eine extensive Erzeugung bedeutet mehr Tierschutz durch artgerechtere Haltung. Durch die längere Mast und großzügiger bemessene Bewegungsmöglichkeiten wachsen die Tiere langsamer, das Fleisch kann besser ausreifen und mehr Aroma entwickeln. Dies erhöht den Genusswert des Fleisches.

Besonders tiergerechte Erzeugung
Programme mit besonders tiergerechter Aufzucht, Haltung und Fütterung. Die Tiere erhalten Auslauf und/oder Weidegang. Im Stall sind bei Schweinen und Rindern Spaltenböden grundsätzlich verboten - auch im Fress- oder Kotbereich. Dafür ist Stroheinstreu zwingend vorgegeben.
Ihr Nutzen: Die Tiere können weitgehend artgemäß leben und dabei langsamer wachsen. Durch den zusätzlichen Kontakt mit der natürlichen Umwelt sind diese Tiere auch robuster und weniger krankheitsanfällig (mit Ausnahme von Weideparasiten). Gleichzeitig bieten diese Programme daher einen hohen Tierschutz und Genusswert.

Ökologische Erzeugung
Diese Programme richten sich nach der so genannten EG-Öko-Verordnung (EG-Öko-VO). Zulässige Futtermittel, Futterzusatzstoffe und Tierarzneimittel werden für alle Tierarten eingeschränkt. Mindestens die Hälfte des Rinderfutters ist im eigenen Betrieb zu erzeugen. Gentechnisch hergestellte Futtermittel sind verboten. Eine vorbeugende Medikamentengabe ist unzulässig. Wenn doch Tierarzneimittel zur Behandlung von erkrankten Tieren eingesetzt werden müssen, sind anschließend doppelte Wartezeiten vorgeschrieben.
Tiergerechte Haltung bedeutet hier: eingestreute Liegefläche und deutlich mehr Platz im Stall sowie Auslauf im Freien. Allerdings gelten für die Einhaltung der Bestimmungen zum Auslauf der Tiere lange Übergangsfristen (bis Ende 2013 für Betriebe, deren Ställe vor dem 24.8.1999 errichtet wurden), so dass Auslauf noch nicht in allen Betrieben gegeben ist. Eingriffe an Tieren wie das Kürzen von Zähnen, Schnäbeln oder Schwänzen sind verboten. Die Kontrolle umfasst alle Stufen der Erzeugung, bei Nichteinhaltung der Richtlinien drohen Sanktionen.
Die Verbände des Ökologischen Landbaus, beispielsweise Bioland, Demeter, Naturland, haben vor allem im Bereich der Fütterung strengere Bestimmungen als die EG-Öko-VO.
Ihr Nutzen: Es werden viele, im konventionellen Landbau und in der intensiven Tiermast übliche Betriebsmittel wie chemisch-synthetische Dünge-, Pflanzenschutz- und Arzneimittel sowie Futterzusatzstoffe eingespart. Die Bio-Erzeugung garantiert eine sehr umweltschonende Fleischerzeugung und mindert das Risiko unerwünschter Rückstände und Schadstoffe. Die Tiere werden im Ökolandbau "extensiv", teilweise auch "besonders tiergerecht" gehalten.

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