Deutschland gilt als Jodmangelgebiet. - Da liegt es auf der Hand, dass Werbestrategen ein gutes Geschäft mit jodhaltigen Meeresalgen als Nahrungsergänzungsmittel wittern. Doch der Jodgehalt in getrockneten Algen schwankt enorm und liegt zwischen fünf und 11.000 Milligramm pro Kilo. Als Höchstmenge werden allerdings nur 0,5 Milligramm pro Tag empfohlen! Ein plötzliches Jod-Überangebot kann zum Gesundheitsrisiko werden. Durch den Jodmangel bilden sich, gerade bei älteren Menschen, in der Schilddrüse häufig kleine autonome Zentren. Werden diese durch ein Überangebot an Jod aktiviert, kann dies zu einer lebensbedrohlichen Schilddrüsenüberfunktion führen. Bei gesunden Menschen mit einer normalen Schilddrüsenfunktion kann ein Überangebot an Jod die Hormonbildung des Körpers hemmen, wodurch eine Schilddrüsenunterfunktion mit Kropf-Bildung entstehen kann.
Angaben fehlen
Zu den jodreichen Braunalgen zählen die Sorten Kombu, Wakame und Hijiki. Oft kommen sie unter dem Sammelnamen "Seetang" in den Handel. Doch die Kennzeichnung lässt häufig zu wünschen übrig. So fehlt auf den Produkten oft die Angabe des Jodgehalts oder des Mindesthaltbarkeitsdatums. Oder aber die Kennzeichnungen sind ausschließlich in fremder Sprache aufgedruckt.
Tipp:
Wer gerne Algen isst, sollte nur zu Produkten mit klaren Angaben zum Jodgehalt und der maximalen Verzehrmenge greifen. Algenprodukte im Naturkostladen sind meist korrekt gekennzeichnet.
AFA-Algen: Wirkung nicht bewiesen
Nahrungsergänzungsmitteln aus AFA-Algen wird laut Werbung eine heilende Wirkung bei verschiedenen Virusinfektionen wie Herpes, Grippe, Windpocken und sogar Krebskrankheiten zugeschrieben. Auch sollen sie angeblich bei psychischen Erkrankungen wie Schlafstörungen, Depressionen oder schlechtem Gedächtnis helfen. Für die medizinische Wirkung der AFA-Algenprodukte gibt es aber keine wissenschaftlichen Belege, warnt hingegen das Bundesinstitut für Risikobewertung (bfr). .Auch die zugeführte Menge an Proteinen, Vitaminen und anderen Nährstoffen durch eine oder mehrere Tabletten ist nur sehr gering. Aus wissenschaftlicher Sicht können AFA-Algen-Produkte keinesfalls als Alternative zu einer ärztlich verordneten Therapie angesehen werden.
Gefährliche Bakterien
Bei den sogenannten AFA-Algen handelt es sich um Cyanobakterien, volkstümlich auch als blaue oder blaugrüne Uralgen bezeichnet. Von diesen Organismen ist bekannt, dass bestimmte Stämme Gift bilden, die das Nervensystem angreifen und schädigen können. Außerdem können sie mit anderem Cyanobakterien verunreinigt sein, die leberschädigende Gifte (Microcystine) erzeugen.
Untersuchungen der Universität Konstanz von handelsüblichen AFA-Algenpräparaten haben gezeigt, dass der Summen-Richtwert für das Toxin Microzystin zum Teil bis zum Achtfachen überschritten wurde. Bei dauerhafter Einnahme ist ein gesundheitlicher Schaden durch chronische Belastung mit Lebergiften nicht auszuschließen. Für Kinder sind die Produkte absolut ungeeignet und gefährlich, für Erwachsene ist davon abzuraten.
Auf keinen Fall dürfen ärztliche Behandlungen abgebrochen und durch eine AFA-Algen-Einnahme ersetzt werden.


