Neu in den Tiefkühltruhen der Supermärkte sind mit Omega-3-Fettsäuren angereicherte Fischstäbchen und Fischfilets. Dabei hat der Hersteller pro Packung 0,6 Gramm Omega-3-Fettsäuren in Form von Fischöl der Panade bzw. dem Belag zugefügt – und den Preis gegenüber einem "normalen" Produkt aus seinem Sortiment fast verdoppelt.
Lebensnotwendige Fettsäure
Die Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure (ALA) ist eine lebensnotwendige Fettsäure, die wir über die Nahrung aufnehmen müssen. Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) sind ebenfalls wichtige Omega-3-Fettsäuren, die der Körper (außer bei Säuglingen) aus ALA auch selbst herstellen kann. EPA und DHA finden sich hauptsächlich in fettreichen Meeresfischen (zum Beispiel Makrele, Hering, Thunfisch oder Lachs), Alpha-Linolensäure (ALA) in einigen pflanzlichen Ölen (beispielsweise Raps-, Walnuss- und Leinöl), Nüssen und in grünem Blattgemüse (z.B. Feldsalat)
Fakt ist, dass Omega-3-Fettsäuren in kleinen Mengen gesund und lebensnotwendig sind. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt daher, 0,5 Prozent der täglichen Kalorien durch Omega-3-Fettsäuren (ALA) aufzunehmen. Das entspricht bei 2400 Kilokalorien (kcal) etwa 1,3 Gramm ALA, enthalten in einem Esslöffel Rapsöl.
Schutz für Kinder?
Bei Säuglingen (bis 12 Monate) unterstützt DHA die Entwicklung des
Sehvermögens Sie sind in Muttermilch enthalten und werden heute auch der Säuglingsnahrung beigefügt. Bei 3 - 6-Jährigen unterstützt ALA die Entwicklung des
Gehirns. Die nötigen Mengen sind jedoch in der normalen Kleinkindkost ausreichend enthalten. Wenn für Lebensmittel mit diesen Wirkungen geworben wird, müssen dafür gewisse Mindestmengen enthalten sein. Schutz für Erwachsene?
Bei Erwachsenen schützen Omega-3-Fettsäuren vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, verbessern die Fließeigenschaft des Blutes, hemmen die Blutgerinnung und verhindern so die Verstopfung der Gefäße. In der wissenschaftlichen Literatur werden zur primären Prävention der durch koronare Herzkrankheit bedingten Todesfälle 250 mg EPA und DHA pro Tag empfohlen. Außerdem wirken sie entzündungshemmend und beeinflussen den Fettstoffwechsel positiv. Was liegt also näher, als den Stoff zu isolieren und als praktische Kapsel in Supermärkten und Apotheken anzubieten?
Vollwertige und ausgewogene Ernährung reicht
Tatsächlich aber sprechen viele Gründe dagegen, wahllos zu Omega-3-Produkten zu greifen. Grundsätzlich gilt, dass gesunde Menschen bei einer vollwertigen und ausgewogenen Ernährung keine zusätzlich Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren benötigen, selbst dann nicht, wenn kein oder nur wenig Fisch gegessen wird. Nach Aussagen des
Bundesinstituts für Risikobewertung ist es wissenschaftlich nicht bewiesen, dass die Einnahme von Fischöl-Präparaten die Allgemeinbevölkerung vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen kann. Gleiches gilt für Lebensmittel, die mit Omega-3-Fettsäuren angereichert sind. Die wissenschaftliche Bewertung durch die
Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA hat ergeben, dass Omega-3-Fettsäuren sowohl Blutdruck als auch den Triglyceridspiegel im Blut senken können. Dafür ist die Aufnahme von 3 g (Blutdruck) bzw. 2-4 g EPA und DHA pro Tag (Triglyceride) bei Erwachsenen nötig – Da helfen allerdings 10 angereicherte Fischstäbchen mit 0,6 g EPA und DHA pro Packung nicht weiter. Keine Effekte gibt es hinsichtlich der Erhaltung normaler LDL- und HDL-Cholesterinspiegel.
Was ist bei mit Omega-3-Fettsäuren angereicherten Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmittel zu beachten?
Lebensmittel, die als "Quelle von Omega-3-Fettsäuren" oder "Mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren" beworben werden, müssen dafür bestimmte Mindestmengen enthalten.
Drohende Nebenwirkungen
Höher dosierte Fischölkapseln können zu verlängerter Blutgerinnung, Übelkeit, Erbrechen sowie zu Schwierigkeiten bei der Einstellung eines Diabetes führen. EPA kann den LDL-Cholesterinspiegel erhöhen. Deshalb sollten Omega-3-Kapseln – auch als Nahrungsergänzungsmittel – nicht ohne Rücksprache mit dem Hausarzt eingenommen werden. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn gleichzeitig Blutverdünner, Knoblauchpräparate, Vitamin E oder Ginkgo-Produkte eingesetzt werden.
➜ Tipp: Änderung des Speiseplans
Wer sich cholesterinbewusst ernähren möchte, sollte weniger Fett und mehr Ballaststoffe essen (Gemüse, Obst, Vollkornprodukte). Für eine leichte Senkung des Cholesterinspiegels sind Haferflocken, Äpfel, Zitrus- und Beerenfrüchte gut geeignet.
Statt ohne ärztlichen Rat zu teuren Omega-3 angereicherten Spezialprodukten zu greifen, erscheint es sinnvoller, ein- bis zweimal pro Woche eine Portion Fisch, bevorzugt (fetteren) Seefisch (s.o.) zu essen und je nach Geschmack Raps-, Walnuss-, Lein- oder Sojaöl und Pflanzenmargarine mit Omega-3-reichen Fetten zu verwenden.
Wer sich cholesterinbewusst ernähren möchte, sollte weniger Fett und mehr Ballaststoffe essen (Gemüse, Obst, Vollkornprodukte). Für eine leichte Senkung des Cholesterinspiegels sind Haferflocken, Äpfel, Zitrus- und Beerenfrüchte gut geeignet.
Statt ohne ärztlichen Rat zu teuren Omega-3 angereicherten Spezialprodukten zu greifen, erscheint es sinnvoller, ein- bis zweimal pro Woche eine Portion Fisch, bevorzugt (fetteren) Seefisch (s.o.) zu essen und je nach Geschmack Raps-, Walnuss-, Lein- oder Sojaöl und Pflanzenmargarine mit Omega-3-reichen Fetten zu verwenden.


