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Schlankheitsmittel von A-Z

Xenical®

Bei der Diätkapsel Xenical® handelt es sich um ein verschreibungspflichtiges Medikament (Hartkapseln), das nur schwer übergewichtige Personen mit einem Body Mass Index (BMI) über 30 bzw. über 27 anwenden sollen, bei denen gleichzeitig ein weiterer Risikofaktor wie Diabetes, Hypertonie oder Ähnliches vorliegt.

Das Medikament wird bis zu zwei Jahre lang dreimal täglich eingenommen. Es kostet zirka 106 € pro Monat (42 Stück für 53,68 €, 84 Stück für 101,23 €). Die Ausgaben werden zurzeit nicht von den Kassen übernommen. Neben der medikamentösen Therapie sollte zusätzlich eine Ernährungstherapie und möglichst auch eine Bewegungstherapie erfolgen, da es ansonsten nach Absetzen des Medikaments erneut zu einer Gewichtszunahme kommen kann.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen


Xenical® bzw. dessen Wirkstoff Orlistat blockiert die für die Fettverdauung zuständige Lipase (ist also ein "Lipasehemmer"). Dadurch kann der Körper etwa ein Drittel des täglich zugeführten Fetts nicht nutzen und scheidet es direkt mit dem Stuhl wieder aus. Sofern die Ernährung nicht gleichzeitig auf eine fettarme Kostform umgestellt wurde, kommt es durch die große Fettbelastung des Stuhls zu unangenehmen Durchfällen.

Sonstige Nebenwirkungen sind Flecken in der Unterwäsche bedingt durch Fettstühle, flüssige Stühle bis hin zur Stuhlinkontinenz (8 Prozent der beobachteten Fälle), Blähungen, Verdauungsstörungen sowie unter Umständen eine Unterversorgung mit fettlöslichen Vitaminen (zum Beispiel Vitamin E) und essentiellen Fettsäuren. Dem möglichen Vitaminmangel soll durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln entgegen gewirkt werden.

Orlistat sollte nicht verwendet werden, wenn eine Immunsuppression (Unterdrückung der Abwehrreaktion) mit dem Wirkstoff Ciclosporin (zum Beispiel nach Organ-Transplantationen) erfolgt, da das fettlösliche Medikament mit den nicht resorbierten Fetten ausgeschieden wird und für den Körper nicht mehr verfügbar ist.

Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) berichtete im August 2009 von insgesamt Link öffnet in neuem Fenster32 Fällen von ernsthaften Leberschäden während der Einnahme des Wirkstoffs Orlistat in den letzten 10 Jahren. Nach FDA-Angaben können die Produkte (zunächst) ohne Einschränkungen weiter nach Vorschrift genommen werden. Als Symptome für die Leberschädigungen werden Gelbsucht, allgemeine Schwäche und Bauch-/Unterleibsschmerzen genannt.

Seit Ende Mai 2010 besteht nun in den USA die Pflicht, in der so genannten Fachinformation ("Beipackzettel") zu diesem Medikament auch über die Nebenwirkungen zu informieren.

Studienergebnisse


Der Wirkstoff Orlistat wurde in diversen Studien getestet. Hierbei handelte es sich immer um Studien, bei denen gleichzeitig eine fett- und kalorienreduzierte Kost gegeben wurde. Sowohl in der Testgruppe als auch in der Placebogruppe nahmen die Testpersonen daraufhin ab. Die Gewichtsabnahme pro Jahr lag je nach Studie zwischen 6,2 Prozent und 10,2 Prozent des Anfangs-Körpergewichts in der Orlistat-Gruppe, die Placebogruppe nahm im gleichen Zeitraum 4,3 Prozent bzw. 6,1 Prozent ab. Durchschnittlich war die Gewichtsabnahme in der Testgruppe gegenüber der Placebogruppe innerhalb eines Jahres 4 kg höher. Die erneute Gewichtszunahme nach einem Jahr betrug in der Xenical-Gruppe im Schnitt 32,8 Prozent des Gewichtsverlusts, in der Placebogruppe waren es 58,7 Prozent der abgenommenen Kilos.

Erfahrungen mit Xenical


Wie Erfahrungsberichte einzelner Ernährungsberater/innen zeigen, setzen einige Patienten Xenical® wegen der unangenehmen Durchfälle recht schnell wieder ab. Dazu der Hersteller von Xenical® Hoffmann-La Roche: "Es obliegt dem Patienten selbst, therapiebegleitende Nebeneffekte (Fettstühle) durch eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten auf eine fettnormalisierte Kost positiv zu beeinflussen." Der ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, Professor Günther Wolfram, vertritt hingegen die Auffassung: "Wer ein solches Essverhalten lernt und beibehalten kann, braucht eigentlich keinen Lipasehemmer."

Das Institut für Qualitätssicherung in der Ernährungstherapie und Ernährungsberatung (QUETHEB e.V.) weist darauf hin, dass Übergewicht langfristig nur unter qualifizierter ernährungstherapeutischer Führung, verbunden mit regelmäßiger Bewegung und unter Umständen mit zusätzlicher psychologischer Betreuung abgebaut werden kann. Xenical sei dabei nur eine kurzfristige Initialzündung.

Einschätzung der Verbraucherzentralen


Xenical ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, das Kranken helfen soll, und keineswegs ein Schlankheitsmittel für Figurprobleme leicht Übergewichtiger. Grundsätzlich sollte es nur dann eingesetzt werden, wenn alle traditionellen Möglichkeiten zur Gewichtsreduktion (Ernährungsumstellung, zusätzliche Sportmaßnahmen) ausgeschöpft worden sind. Es ist fraglich, ob die tatsächlichen Gewichtsreduktionen die gesundheitlichen Probleme einer/s Übergewichtigen lösen können. Festgestellt wurden bisher leichte Verbesserungen (Senkung) von Gesamt- und LDL-Cholesterin. Die vom Arzt verschriebene Einnahme von Xenical ist unseres Erachtens nur in Kombination mit einer Ernährungs- und Bewegungstherapie sinnvoll.

Fälschungen per Internet


Via Internet sind 84 Kapseln für Preise zwischen 95 US-Dollar und 259 € erhältlich; das Rezept wird online von einem ausländischen Arzt ausgestellt. Aber: Bei Xenical handelt es sich um ein verschreibungspflichtiges Medikament für eine ganz bestimmte Zielgruppe; Risiken und Nebenwirkungen kann nur Ihr Arzt beurteilen, per Ferndiagnose ist das nicht möglich. Xenial ist eines der am meisten gefälschten Medikamente. Die Falsifikate werden bevorzugt über das Internet vertrieben. Vom Internetkauf raten wir aus diesem Grund, vor allem aber wegen der fehlenden ärztlichen Diagnosestellung und Überwachung unbedingt ab.

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